Breath of the Wild Erweiterungspass



Heat of Death
Auch in Carelles neuer Story wird es richtig spannend!

Autor: Carelle


Seit die Sonne sich plötzlich blutrot gefärbt hatte und manchmal sogar orange erglühte, brannte die Hitze gnadenlos auf die Erde herab. Ohne Rücksicht darauf, dass manche daran dahinstarben, ohne Rücksicht darauf, dass es an Wasservorrat nur so mangelte. Die Ernten fielen dürr aus und in dieser heißen Sommerzeit wünschten sich alle Bewohner Hyrules bloß eins: Endlich einmal Regen zu bekommen!

Na ja, ganz so schlimm war es bei manchen nun auch wieder nicht. Das amphibische Fischvolk, die Zoras, die im Osten Hyrules in einer hinter einem Wasserfall verborgenen Höhle lebten, hatten weiterhin genug Wasser. Die Zora-Quelle spendete genug Wasser für das gesamte Volk der Zoras, um sie über Wasser zu halten. Dennoch war der Zora-Fluss, in den der Wasserfall mündete, dem Austrocknen sehr nahe. Das kam daher, dass die Zoras fast alles Wasser für sich beanspruchten und kaum etwas nach draußen in den Fluss fließen ließen.

Für die Menschen, die auf dem hylianischen Marktplatz oder im benachbarten Dorf Kakariko lebten, hatte das fatale Folgen: Immer mehr Menschen starben an Durst, einige trockneten sogar von innen heraus aus. So starb ein großer Teil der menschlichen Bevölkerung Hyrules.

Im Nordosten des Landes, sehr hoch über dem Dorf Kakariko, auf dem Todesberg hauste jedoch noch immer das Volk der Goronen. Das steinfressende Volk, das Kälte und Wasser nur so verabscheute, konnte ohne große Mühe in seiner Stadt Goronia überleben. Sie brauchten kein Wasser und ihnen gefiel die große Hitze.

Jedoch im Südosten Hyrules regierte wieder der Tod. Dort befand sich der Kokiri-Wald, ein Wald, der noch nie von einem menschlichen Wesen betreten worden war. Auch Zoras oder Goronen hatten nie sein Inneres erforscht. Und das hatte einen bestimmten Grund: Jeder Mensch (oder eben Zora oder Gorone), der den geheimnisvollen Wald ohne Erlaubnis betrat, wurde beim ersten Schritt seines Eintreffens in eine Pflanze verwandelt und musste so den Rest seines Lebens verweilen. Einige Mutige (vielleicht sollte man sie lieber Übermütige nennen) hatten es gewagt, doch keiner wurde von ihnen jemals wieder gesehen. Weder tot, noch lebendig.

Jedenfalls: In einem Wald war Wasser und Regen immer sehr wichtig. Um so schlimmer war es für die Waldbewohner, die Kokiri, als plötzlich eine unabwendbare Hitze auf sie herabbrannte und sie auszulöschen drohte. Viele Kokiri waren wegen der Wärme umgekommen, andere waren dem Tod nahe und nur die Zähesten hatten bis jetzt (!) noch genug Ausdauer zum Weiterleben. Eines nach dem anderen starben die Kinder des Waldes (denn Kokiri waren ein Volk das nur aus Kindern bestand und ab dem zehnten Lebensjahr nicht mehr alterten) und der mächtige und weise Deku-Baum, der Beschützer des Waldes, der die Kokiri-Kinder erschaffen hatte, war ratlos und wünschte sich, er hätte die Kraft seine Schützlinge zu beschützen und am Leben zu erhalten. Doch das war nicht einmal ihm möglich. Er spürte ja selbst, wie die Hitze an seinen Wurzeln nagte und wie auch er langsam und qualvoll am Austrocknen war.

"Es muss etwas geschehen!" dachte er immer wieder, doch er wusste nicht, was er tun sollte. So musste auch er mit leidvollen Augen ertragen, wie die Welt, die die Göttinnen Din, Nayru und Farore geschaffen hatten, sich nun ihrem Ende zu wendete.

Am Allerschlimmsten traf es jedoch die Gerudo-Kriegerinnen, die im Westen des Landes im Gerudotal hinter einer Schlucht lebten. Das kriegerische Frauenvolk hatte seine Festung nicht weit weg vom Tor zur großen, schier unendbar scheinenden Gespensterwüste gebaut. So herrschte dort eine extreme Hitze, egal ob es Tag oder Nacht war. Immer wehten heiße Winde von der Wüste her. Manchmal waren sie sogar so heiß, dass die Sandkörner, die sie mit sich trugen, sich so erwärmten, dass sie die Gerudos überall am Körper verbrannten. Die Hitze schien wirklich unerträglich zu sein. Das Volk der Gerudo-Kriegerinnen war zäh und war auf eins sehr spezialisiert: Auf das Nehmen! Das bedeutete, dass alle mit all ihrer Kraft versuchten, am Leben zu bleiben, doch die Meisten schafften es nicht. Der sowieso schon geringe Wasservorrat wurde immer knapper und Naboru, die Anführerin der Gerudos, war mit ihrem Latein am Ende. Sie wusste, dass der Tod, der ganz Hyrule heimsuchte, unabwendbar war, dass niemand in der Lage war, ihn mehr aufzuhalten! Doch da sollte sie sich täuschen...


Wie an jedem Morgen nach dem Aufwachen machte das junge Zoramädchen Clear sich bereit zum Schwimmen im Hylia-See. Sie fuhr sich noch einmal mit einem kleinen Schwamm über ihre glänzenden Schuppen und marschierte dann entschlossen zum Thronsaal des Zora-Reiches. Der kühle von Wasser umgebene Thronsaal war trotz der frühen Morgenstunde nicht leer. Clear konnte ihre Mutter entdecken, die gerade dabei war, sich im klaren Wasser, das überall von den Wänden des Raumes floss, zu betrachteten. Es schien Clear als übe sie verschiedene Positionen und trainiere ihr Lächeln. Kopfschüttelnd trat Clear ganz in den Thronsaal herein und machte sich mit einem Räuspern bemerkbar. Ihre Mutter, eine hübsche, hochaufgeschossene Zora mit langen, prachtvollen Flossen, fuhr herum.

"Huch?" Sie hielt sich erschrocken die Hände vor den Mund. Dann erkannte sie Clear, die nur einige Meter vor ihr stand und sie erstaunt ansah. "Clear? Aber was machst du denn hier?" fragte sie verblüfft und ihre Stimme bekam plötzlich einen bösen Unterton. "Du sollst dich doch nicht im Thronsaal herum treiben! Dein Vater verbietet es!" "Ach ja?" Clear starrte ihre Mutter empört an und stemmte dann die Hände in die Hüfte. "Und was machst du dann hier?"

"Nun ja," meinte ihre Mutter, ihr Name war Ruto, etwas zögernd. "Nun?" forderte Clear, was eine ziemliche seltsame Situation war: Eine Tochter, die von ihrer Mutter Antworten verlangte! "Ich habe auf dich gewartet, Clear," erzählte Ruto dann ihrer Tochter. Clear legte ihre Stirn in Falten. "Ach ja?" Ruto nickte und umschlang mit ihren langen Armen ihren dünnen, glänzenden Körper.

"Ja. Der Rat der Zora hat dich zu Großem ausersehen!" Clear spürte, wie ihr etwas unwohl wurde. "Ach ja?" fragte sie wieder. Sie hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Warum war ihre Mutter, die sonst eher wie eine attraktive Jugendliche wirkte, plötzlich so ernst? Sie versuchte ihre Spannung zu überspielen. "So? Um was geht's denn?" erkundigte sie sich zögernd.

"Du weißt, dass ganz Hyrule von der großen Hitze bedroht wird?" Clear nickte. "Klar. Ich meine, wer weiss das schon nicht! Aber was hat das mit mir zu tun? Und überhaupt mit den Zoras? Ich meine, wir haben doch genug Wasser. Das Wasser aus der Zora-Quelle! Also, was geht uns die Hitze an?" Man merkte Clear deutlich an, dass sie nervös war. Ruto lächelte knapp. "Dummes Ding. Natürlich geht auch uns die Hitze etwas an!" "Ach ja? Und was?" erwiderte Clear bockig, es gefiel ihr nicht, als ,Dummes Ding' abgestempelt zu werden.

"Unserem Volk liegt das Wohlergehen der Hylianer sehr am Herzen, das müsstest du doch eigentlich wissen. Denn wie du weißt, bin ich mit Königin Zelda und ihrem Mann Link befreundet. Sie leiden große Not, da es kaum Wasser in der Nähe von Schloss Hyrule mehr gibt. Ihr Volk droht auszusterben!" "Na und? Was kümmert mich das?" Ruto war empört. Ihre zartblaue Haut bekam vor Zorn eine rötliche Farbe. Wütend stemmte sie nun die Hände in die Hüfte.

"Sag mal, kannst oder willst du es nicht verstehen?" fauchte sie ihre Tochter an. "Wir müssen unseren Freunden helfen!" "Das sagst du doch nur, weil du mal 'ne Affäre mit König Link hattest!" warf Clear ihrer Mutter vor. Ruto war erbost. "Wie kommst du denn darauf?" schrie sie ihre Tochter wütend an. Drohend hob sie ihren linken Arm. Blitzartig ging Clear in Deckung. Kopfschüttelnd ließ Ruto ihre Hand wieder sinken und betrachtete sie. "Keine Angst," meinte sie an Clear gewandt. "Du weißt doch genau, dass ich dich nie schlagen würde."

Clear grinste. "Klar, das weiss ich." Sie sah etwas betreten zu Boden. "Erzähl weiter," bat sie dann. Ruto lächelte besänftigend. "Wir Zoras haben der königlichen Familie von Hyrule Treue und Freundschaft geschworen, und jetzt ist die Zeit da, unsere Freundschaft zu beweisen. Weißt du, in einer alten Schriftrolle habe ich schon mal von dieser Hitze gelesen. Dort nennt man sie ,Heat of Death'!"

"Heat of Death?" fragte Clear verwirrt. Aber sie spürte, wie ihr eine Gänsehaut über den Rücken lief. Death, dieser Name machte ihr Angst! Hieß das nicht... "...Tod?" fragte sie mit leiser, ängstlicher Stimme. "Death, das heißt doch Tod, o...oder?"

Betreten nickte Ruto und starrte auf den feuchten, kristallklaren Boden. "Ja. Wir stehen der Hitze des Todes gegenüber! Dem Unheil aus der alten Schriftrolle! Es ist eine uralte Gefahr! Damals konnte sie begannt werden, aber nun ist sie wieder da und bedroht Hyrule auf's Neue!" "Wie konnte sie damals gebannt werden?" wollte Clear aufgeregt wissen. Ruto blickte auf. Und als Clear schon in ihre lavendelfarbenen Augen sah, erkannte sie die Ratlosigkeit im Blick ihrer Mutter.

"Da ist etwas sehr Seltsames!" sagte sie und ihre Stimme drückte Verwirrung aus. "Ich habe gelesen, dass die Hitze von den Fünf Großen Mächten gebannt werden konnte." "Den Fünf Großen Mächten?" fragte Clear verdattert. Sie verstand kein Wort. Ruto nickte nachdenklich. "Ja, in der Schriftrolle waren die Fünf Großen Mächte beschrieben als Mut, Stärke, Entschlossenheit, Reinheit und Liebe!" Clear geriet ins Grübeln.

"Was könnte damit gemeint sein?" überlegte sie laut. "Mut, Stärke, Entschlossenheit, Reinheit und Liebe?" Hilflos zuckte Ruto die Schultern. "Ach Clear, mein Kind, wenn ich es doch nur wüsste. Aber leider habe auch ich nicht die leiseste Ahnung."

Nachdenklich nickte Clear. "Na ja, wenn das so ist... Dann erzähl mir jetzt, für was mich das Volk der Zora auserkoren hat", erlangte sie dann. Langsam nickte Ruto nun. "Ja, ist gut. Ich werde dich aufklären. Lausche nun meinen Worten." "Mami?" Clears Stimme klang besorgt. Erstaunt blickte Ruto sie an. "Ja?" "Geht es dir nicht gut?" "Warum? Sollte es nicht?"

"Du ... du redest so ... so komisch..." meinte Clear zögernd. Ruto lächelte matt. "Es ist alles in Ordnung, wirklich. Es ist nur..." "Was?" fragte Clear sofort alarmiert. "Nichts, nichts," versuchte Ruto abzulenken und sah Clear dann streng an. "Das sind meine Sorgen. Lausche nun meinen Worten!" Clear nickte kaum merklich.

"Du kennst unsere fünf Völker hier in Hyrule. Die Hylianer, die Gerudos, die Goronen, die Kokiri und ... na ja, eben uns Zoras. Jedenfalls: Vor einigen Tagen hatten Prinzessin Zel ... Ups! Ich kann mich einfach nicht an das ,Königin' gewöhnen! ... Also noch mal: Vor einigen Tagen hatten Königin Zelda und ihr Gemahl Link uns - damit meine ich deinen Vater und mich - zu sich eingeladen. Angeblich zum Abendessen," Ruto seufzte, "angeblich... Aber es war wegen etwas anderem. Wegen der Heat of Death! Schau nicht so! Lass mich ausreden!

Außer uns waren auch noch Naboru, die Anführerin der Gerudo-Kriegerinnen, Darunia, der König der Goronen und Mido und Salia, zwei Kokiri, da. Wir alle mussten Kriegsrat halten. Immerhin waren alle Vorsitzenden der Völker vertreten. Wir diskutierten über die Hitze des Todes. Darunia - ich könnt ihn manchmal echt an die Wand feuern - maulte, weil es keine Steine aus der Dodongo-Höhle zum Essen gab und beteiligte sich kaum an unserem Gespräch. Du weißt, die Goronen hassen die Kälte und freuen sich über die Hitze. Darunia, dieser Feuerschädel, konnte die Probleme natürlich nicht verstehen. Aber Salia und Mido machten dem König und der Königin unmißverständlich klar, dass etwas geschehen müsse. Der Kokiri-Wald sei zum Aussterben bedroht, sagten sie. Viele Kokiri hatten auch wegen der Hitze schon ihr Leben verloren. Naboru, eine Gerudo, die das Weinen und Jammern längst verlernt hat, stimmte den beiden auch zu. Es sei sehr heiß im Gerudotal, hatte sie gesagt. Aber kein Jammern und Klagen war aus ihrer Stimme herauszuhören gewesen. Diese Gerudos sind teuflisch stark!"

Staunend wiegte Ruto den Kopf hin und her. "Obwohl sie am Härtesten von der Hitze betroffen sind, hatte Naboru weder ihren Mut, noch ihre Entschlossenheit verloren. Sie ist eine stolze Kriegerin. Es heißt, niemand hat sie jemals weinen oder klagen gesehen. Sie gilt als gnadenlos und tapfer..."

"Mami!" wurde Ruto plötzlich von einer ärgerlichen Stimme unterbrochen. "Es ist ja schön, wenn du gern Geschichten erzählst, aber komm bitte endlich zur Sache!" "Nun gut. Ich habe mich wohl zu sehr mitreißen lassen von meiner Bewunderung über die Gerudos, insbesondere Naboru. Wir haben beschlossen, dass wir versuchen werden, gegen die Heat of Death zu kämpfen - selbst Darunia hat da zugestimmt, allerdings während er gerade seinen Teller, der aus Marmorstein war, zerkaute", Ruto verzog angeekelt ihr hübsches glasklares Zora-Gesicht. "Die fünf Großen Mächte müssen gefunden und erweckt werden!" erzählte sie ernst weiter. "Laut der alten Schriftrolle müssen sich fünf junge Helden aufmachen, die fünf Großen Mächte zu finden und zu erwecken. Allerdings müssen es fünf verschiedene Wesen sein. Du hast es wahrscheinlich schon erraten: Ein Hylianer, eine Gerudo, ein Gorone und eine Kokiri. Und ... und jemand aus unserem Volk!"

Ihr schweifender Blick blieb auf Clear lasten. Rutos lavendelfarbene Augen starrten Clear entschlossen an. Clear schluckte. Ihr wurde immer unbehaglicher. "Willst du ... willst du damit sagen, dass..." Ruto nickte. "Ja, Clear, meine Tochter. Du bist die Auserwählte! Die Heldin, die im Namen unseres Volkes gegen die Hitze des Todes antreten wird!"


"Resuluta! Resuluta!" Der Schrei schien über das ganze Tal und die Schlucht zu hallen. "Resuluta!" Ein rothaariges, hübsches Mädchen, das gerade dabei war mit einer ebenfalls rothaarigen mit Speer bewaffneten Frau zu kämpfen, sah erstaunt auf. Das nutzte ihr Gegnerin aus und verpasste dem jungen Mädchen eine Schlag mit dem Speer auf den Rücken, so dass das Mädchen ihr Gleichgewicht verlor und nach vorne auf den sandigen Boden knallte. Wütend blitzte sie vom Boden aus die Gerudo an, die nun ihren Speer grinsend auf sie richtete.

"Gewonnen!" grinste sie hämisch. "Du! Du..." Wütend schlug das Mädchen mit geballter Faust auf den sandigen Boden. Sie richtete sich rasch auf und klopfte sich den Sand von den Kleidern. Aus ihren bernsteinfarbenen Augen blickte sie die Frau, die nun ihren Speer zurück gezogen hatte, vor Wut schäumend an. "Das war unfair!" beschwerte sie sich. Die Gerudo mit dem Speer lächelte spöttisch. "Nicht fair?" Sie schüttelte missbillig den Kopf. "Kleines, was ist in unserer Welt schon fair?" "Du bist es jedenfalls nicht," murrte das Mädchen namens Resuluta.

"Wieso? Was kann ich dafür, wenn du gerufen wirst?" Die Gerudo lächelte noch immer. Ihr Blick war voller Genugtuung. "Sie freut sich über ihren ... ihren ... ach! Über ihr blödes Glück, dass sie mal gewonnen hat!" dachte Resuluta verbittert. Zu der Gerudo gewandt, meinte sie: "Jedenfalls war es kein fairer Sieg, Diama!" Voller Genugtuung zuckte die Gerudo namens Diama ihre dünnen Schultern. "Sieg ist Sieg! Egal wie, egal über wen!" Resuluta wollte darauf etwas erwidern, aber wieder hallte ihr Name durch das Gerudotal.

"Resuluta!" "Ich glaub, dein Typ wird verlangt," bemerkte Diama überflüssiger Weise. "Hast du mal wieder was angestellt?" "Ja, ich hab Wüstenschlangen in dein Bett gelegt, wahrscheinlich hat sie jetzt jemand gefunden!" gab Resuluta patzig zurück. Sie warf ihr scharlachrotes Haar in den Nacken und stolzierte vom Trainingsplatz weg zur Gerudo-Festung. Als sie dort ankam, wurde sie bereits erwartet. Naboru, die Anführerin des Gerudostammes stand mit verschränkten Armen vor der Brust vor einem der vielen Eingänge zur Festung. Ihr Blick war kalt und unberechenbar. Neben ihr standen zwei weitere rothaarige Frauen. Eine von ihnen war Resulutas Mutter Nigami, die andere Naborus Stellvertreterin mit Namen Sumania.

"Du hast mich gerufen, Naboru?" fragte Resuluta und stellte sich gerade vor Naboru auf. Die Stammes-Anführerin nickte. "Ja, Resuluta, das habe ich." Resuluta schwieg. Zwar war sie neugierig, aber es lag nicht in der Natur der Gerudos Fragen zu stellen. Sie musste warten, darauf warten, dass Naboru weitersprechen würde. "Es geht über sehr ernste Angelegenheiten", sprach Naboru weiter, "wir müssen mit dir darüber reden."

"Ernste Angelegenheit?" fragte Resuluta verwirrt, dafür bekam sie einen strafenden Blick ihrer Mutter, der sagte: "Gerudos sollen keine Fragen stellen!" Naboru nickte. Noch immer war ihr Gesichtsausdruck und ihr Blick unberechenbar. Es hieß auch, kein Mensch würde je verstehen, was in Naboru vorging. Mit ernstem Blick starrte Naboru zum Himmel empor, zur grellen, blendenden Sonne hinauf. Trotz den hellen Strahlen blinzelte sie nicht. Sie seufzte bloß. Resuluta wartete. Doch es schien nicht so, als wolle Naboru weiter reden, sie blickte weiter der Sonne entgegen. So ergriff ihre Stellvertreterin Sumania das Wort.

"Wir müssen mit dir sprechen, Resuluta. Es geht um das Überleben unseres Stammes!" Verwirrt runzelte Resuluta die Stirn. Das war ein Nachteil der Gerudos: Man durfte keine Fragen stellen und die Antworten fielen knapp und mager aus. Manchmal wünschte Resuluta sich wirklich, sie könne verstehen, um was es eigentlich ging ohne unnötig unerlaubte Fragen stellen zu müssen.

"Du bist verwirrt, nicht wahr?" Sumania lächelte verständnisvoll. Sie war eine besonders hübsche Gerudo mit dichtem, langem, rotem Haar, braungebrannter Haut und einer tollen Figur. "Aber das ist verständlich." Resuluta antwortete nicht darauf. Sie hatte ihre Augen fest auf Sumania gerichtet und erwartete von ihr, dass sie weitersprach.

"Das Überlebenden der Gerudo steht auf dem Spiel," wiederholte Sumania nachdenklich, dann fing sie sich wieder: "Eine Legende besagt, das die Hitze, die uns bedroht und aussterben lassen will, Heat of Death heißt. Hitze des Todes! Du fragst dich, was das mit dir zu tun hat? Nun ja, wir müssen etwas tun, was unser Volk noch nie getan hat. Besser gesagt: Du musst es tun!"

Sie richtete ihre dunklen, ebenfalls bernsteinfarbenen Augen auf Resuluta. Ihr Blick war hart, voller Unruhe, aber Resuluta konnte auch einen Funken Zuversicht erkennen. "Was ... was muss ich tun?" wollte die junge Gerudo wissen und strich sich nervös eine rote Haarsträhne aus den Augen. "Du musst dich mit den Boten der anderen Völker verbinden!" Es war Naboru, die das sagte. Sie hatte ihren Blick von der Sonne gewandt und nun war er auf Resuluta geheftet. Resuluta schauderte. Es war das erste Mal, dass sie der Anführerin des Stammes so Auge in Auge gegenüber stand. Naboru nickte Sumania zu und diese sprach nun weiter:

"Wir Gerudos sind ein Volk, das sich nie um andere gekümmert hat. Nur unser eigenes Überleben war wichtig. Es gab Kriege mit den Zoras und Hylianern, aber so blieb unsere Welt im Gleichgewicht. Vereinigungen mit anderen Völkern hat es bei uns Gerudos noch nie gegeben. Aber nun ist die Zeit gekommen, dass es soweit ist..." Sumania hielt in ihrer Erzählung inne und seufzte. Dann murmelte sie irgend etwas vor sich hin. Resuluta glaubte "Es ist so eine Schande" herausgehört zu haben, doch sicher war sie sich da doch nicht.

"Es ist nun so", fuhr Sumania fort, "die Legende erzählt von den Fünf Großen Mächten, die die Hitze damals bannen konnten. Doch leider nicht für immer, wie man sieht." "Damals kämpften ein Hylianer, eine Kokiri, ein Gorone und eine Zora gegen die tödliche Hitze und ... und auch eine Gerudo!" Naboru sah Resuluta tief in die Augen während sie weitererzählte: "Es ist schon etwa fünfhundert Jahre her und so in Vergessenheit geraten. Aber auch schon damals hatten sich die fünf Völker vereint. Je einer aus dem Volk zog los um die Hitze aufzuhalten, schließlich trafen diese fünf dann aufeinander. Alle fünf suchten nach dem gleichen Ziel: Den Fünf Großen Mächten! Und als sie dann zu fünft der glühenden, feuerroten Sonne gegenüberstanden, leuchteten plötzlich ihre Herzen, ihre Seelen, auf und die Fünf Großen Mächte kamen zum Vorschein..."

"Wie? Woher kamen sie? Wie kamen sie zum Vorschein? Aus ihren Herzen? Was heißt das, ihre Seelen leuchteten auf?" Resuluta konnte sich nicht mehr zurückhalten. Alle diese Fragen entfluschten ihr plötzlich. Sie war ganz aufgeregt. Sie hatte von dieser Legende noch niemals gehört. Dann wurde ihr plötzlich bewusst, was sie getan hatte und sie biss sich verlegen auf die Lippen. Verflixt! Als Gerudo durfte man doch keine Fragen stellen! Doch Naboru lächelte verstehend.

"Du musst dich nicht genieren, Resuluta. Es ist ganz verständlich, dass du so viele Fragen hast. Auch mich hat die Legende der Heat of Death immer fasziniert. Doch ich kann dir keine weiteren Antworten geben. Ich kann dir nur das erzählen, was ich selbst auch weiss." "Dann tu das doch bitte, Naboru", drängte Resuluta, "ich will alles wissen!"

Naboru schmunzelte. "Okay, ich werde erzählen. Die Fünf Großen Mächte stehen für Mut, Entschlossenheit, Reinheit, Stärke und Liebe. Charaktereigenschaften also. Du weißt nicht, was ich meine? Nun gut, ich will versuchen, es dir zu erklären: Es waren fünf Wesen, die sich auf die Suche nach den Mächten machten. Und es sind auch fünf Mächte. Einer von ihnen trug in seinem Herzen großen Mut, ein anderer Entschlossenheit, ein wieder anderer besaß die Reinheit und noch einer hatte angefangen auf seine Stärke zu vertrauen und der letzte von ihnen hatte gelernt, was Liebe ist. Nun verstanden?"

Beklommen nickte Resuluta. "Aber nur so ungefähr." "Nur so ungefähr?" "Ja. Was hat das alles mit mir zu tun?" Naborus Gesichtszüge wurden härter. "Unser Rat, die Stammesälteste, die vier besten Kriegerinnen, Sumania, deine Mutter und ich, haben dich dazu ausersehen, das Gerudotal zu verlassen!" Resuluta wurde mit einem Schlag kreidebleich. "Ihr ... ihr ver ... bannt mich?" stotterte sie und wurde immer blasser. "Das ... das könnt ich do ... doch nicht ... ma ... machen..."

Sumania verzog keine Miene. "So ist es entschieden worden!" meinte sie kalt. Naboru warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu. Doch das bemerkte Resuluta gar nicht, sie starrte ihr Mutter an, die neben der Stammesführerin stand. "Ihr wollt mich loswerden?" Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern. Ihre Mutter, eine magere Gerudo mit ernstem Gesicht und silbernen Strähnen im roten Haar, nickte bedenklich. "Ja, Resuluta, so ist es entschieden worden. Einstimmig." Fassungslos starrte Resuluta ihre Mutter an. "Auch du wolltest mich loswerden?" Nigami verzog verärgert das Gesicht, wobei viele Falten sichtbar wurden. "Bei Farore! Was unterstellst du mir?"

Resuluta zitterte vor Aufregung am ganzen Leib. "Dass du mich auch loswerden willst!" schrie sie erzürnt. "Du sagtest der Rat hat es einstimmig beschlossen! EINSTIMMIG! Und du gehörst auch zum Rat! Du ... du..." Wütend trat Nigami vor und verpasste ihrer Tochter eine schallende Ohrfeige. Es knallte und der Knall hallte an den Schluchtwänden wider. Doch Resuluta schrie nicht. Sie war zäh, die Beste ihrer Altersklasse. Sie war geschickt, schnell, wendig, zäh und konnte gut mit dem Speer kämpfen. Plötzlich traten ihr Tränen in die Augen. Sie hatte verstanden!


"Eine schöne Melodie!" "Oh!" Lovina schrak zusammen und steckte schnell ihre Feen-Okarina in die Tasche ihres grünen Kleides. Dann blickte sie sich auf der Waldlichtung um, um zu sehen, wer sie bei ihrem Okarinaspiel gehört hatte. Ein paar Schritte von ihr entfernt, an einen Baum gelehnt, stand ein junger, orangehaariger Kokiri und grinste sie frech an. Er hatte seine Hände cool in den Taschen seiner grünen Tunika vergraben und seine moosgrüne Zipfelmütze nahm ihm fast die Sicht, so tief hatte er sie ins Gesicht gezogen.

"Ach du bist es Modi," meinte sie dann bloß und seufzte. "Was willst du hier?" "Ich wollt einfach nur mit dir zusammen sein", gab Modi grinsend zur Auskunft. "Mit mir zusammen sein?" Lovina runzelte die Stirn, dann seufzte sie wieder. "Modi, gibtst du denn nie auf?" "Nie!" Noch immer grinste Lovinas Verehrer. Dann trat er an Lovina heran, die auf einem Baumstumpf saß, und packte sie an den Händen. "Ich liebe dich, Lovina, Herrin des Waldes. Und das weißt du doch!"

"Herrin des Waldes?" Verwirrt verzog Lovina das Gesicht und versuchte seine Hände, die er ja nun aus seiner Tunika genommen hatte, abzuschütteln. "Seit wann nennst du mich denn so?" Modi beugte sich zu Lovina herunter und sah mit seinen wasserblauen Augen in Lovinas kristallklare. "Seit dem Tag an, an dem du mein Herz erobert hast!" "Also schon immer", bemerkte Lovina Zähne knirschend. Noch immer hatte sie sich keinen Millimeter aus Modis Griff befreien können. Sie begann heftiger zu rütteln.

"Lass mich los!" Vergeblich. Modi grinste noch immer. Lovina vermutete, dass man das wohl nie abschalten konnte. "Modi, du tust mir weh!" "Oh", betreten ließ er ihre Hände los und blickte sie etwas beschämt an. "Verzeih mir, schöne Herrin des Waldes, ich wollte dich nicht verletzen." Lovina seufzte erleichtert auf als ihre Hände wieder frei waren und schüttelte sie erst einmal richtig aus, dann meinte sie an Modi gewandt: "Warum kannst du nicht einfach mal zu Holly oder Kamari gehen? Wieso verfolgst du immer mich?" Er lächelte und seine Antwort kam, ohne das er sie überzeugt erdacht hatte: "Holly und Kamari sind beide blond, aber deine grasgrünen Haare sind einfach tausendmal schöner!"

"Ach ja?" Mit einer lässigen Geste warf Lovina ihre schulterlangen, grünen Haare in den Nacken. Dann blitzte sie ihn mit saurer Stimme, die jedoch nur gespielt war, an: "Also nur wegen meinen Haaren? Ist es so? Ich gefalle dir nur wegen meinen Haaren?" Sie griff nach einem am Boden liegenden Zweig und hielt sich ihn an die Haare. Es war ein spitzer Lorbeerzweig. "Soll ich? Soll ich meine Haare abschneiden? Und? Willst du sie dann?" Theatralisch ergriff sie ihr grünes Haar und stellte den Zweig in die Position, dass es aussah, als wolle sie sich ihre Haare mit ihm abschneiden.

"Nein!" Bestürzt starrte Modi sie an. Er grabschte nach dem Lorbeerzweig in Lovinas Hand und warf ihn ins nächste Gestrüpp. "Bist du denn von allen guten Feen verlassen?" Er packte sie an den Schultern und schüttelte sie. "Haben dir Etti, Betti, Netti oder Hetti den Verstand genommen? Wie kannst du nur auf den Gedanken kommen dein wunderbares Haar abzuschneiden?" Er blickte sie verständnislos an. "Ich versteh dich einfach nicht." Er wirkte betrübt. Plötzlich tat er Lovina Leid. Er schien ganz verwirrt über ihre Reaktion zu sein, und entsetzt. Auf einmal begann er zu wimmern. Aus seinen wasserblauen Augen sah er sie unglücklich an. "Ich wollte mich noch von dir verabschieden bevor du gehst."

"Bevor ich gehe?" fragte Lovina und runzelte die Stirn. "Wohin soll ich denn gehen?" Modi wirkte ernst und sein Grinsen war ganz aus seinem Gesicht gewichen. "Ich habe eben Mido und Salia belauscht," bekannte er. Lovina bemerkte, dass es ihm schwer fiel darüber zu reden. Er nahm noch einmal Anlauf und sprach dann weiter: "Ja, belauscht hab ich sie. Sie waren in Midos Hütte, zusammen mit den Allwissenden Brüdern. Und sie haben über dich gesprochen!" "Über mich?" wiederholte Lovina verdattert. "Was sollen sie denn schon über mich geredet haben?"

"Sie haben über dich und die Heat of Death gesprochen!" "Über die was?" Lovina verstand kein Wort. "Über die Hitze des Todes!" meinte Modi ausdruckslos. "Du meinst...?" "Ja genau. Die tödliche Hitze, die uns bedroht, wird auch Heat of Death genannt. Die Hitze, die uns auszulöschen droht!" "Aber was hat das denn alles mit mir zu tun?" Lovina wurde immer beunruhigter und ratloser. "Du musst den Wald verlassen!" Modis Stimme war immer leiser geworden, fast nur noch ein Flüstern, aber er sagte es bestimmt.

"Den Kokiri-Wald verlassen?" fragte Lovina fassungslos. "Aber warum? Soll ich ganz in die Verlorenen Wäldern ziehen? Sind sie sauer, weil ich öfter hier bin als im Kokiri-Wald?" Modi lächelte matt. "Wenn es doch nur so wäre, Lovina. Nein. Sie haben beschlossen, dass du dich mit je einem Boten aus den anderen Völkern verbünden sollst um die Fünf Großen Mächte zu suchen..." "Die Fünf Großen Mächte? Was ist denn das jetzt schon wieder?" Hilflos zuckte Modi mit seinen dünnen Schultern. "Wenn ich es doch nur wüsste..." Dann sagte er mit fester Stimme: "Du bist die Auserwählte!"

"Die Auserwählte?" Lovina traten Tränen in die Augen. Sie verstand das alles nicht, verstand nicht, von was Modi da überhaupt erzählte. In ihrem Kopf schienen die Gedanken Achterbahn zu fahren und sie konnte sie nicht mehr klar fassen. "Modi, ich..." Ihre Stimme ging in ihrem Schluchzen unter. Gerade wollte Modi sie beruhigend in den Arm nehmen, als plötzlich eine harte Stimme über die Lichtung schallte: "Lass sie los, Modi!"

"Wer ... was?" Verdattert hielt Modi inne und sah sich um. An den moosbewachsenen Stufen, die hinunter in die Verlorenen Wälder führten, stand Salia, die Anführerin des Kokiri-Stammes und hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt. Ihr hellgrünes Haar wehte ihm Wind. Sie blickte ich herausfordernd an. "Lass sie los!" sagte sie noch einmal. Modi sah Salia grummelnd an. Er mochte die Stellvertreterin Midos nicht. Seit Mido, der Anführer der Kokiri und Modis großer Bruder, sich in die hübsche, grünhaarige Kokiri verliebt hatte, hatte er sich dazu entschieden, dass Salia an seiner Seite mit ihm über den Wald herrschen sollte. Immerhin war Salia auch die Hüterin des Waldtempels und eine der sieben Weisen. Ihr Wort galt im Kokiri-Wald und sie hatte großes Ansehen vor dem mächtigen Deku-Baum, dem Beschützer des Waldes und Erschaffer der Kokiri. Zögernd zog Modi seine Hand zurück. Lovina lächelte Salia an.

"Hallo Salia!" Rasch wischte sie ihre Tränen bei Seite und hoffte, dass ihre Augen nicht zu geschwollen aussahen. Salias Blick blieb ernst während sie sagte: "Hallo Lovina." "Salia," begann Lovina sofort, sie wollte unbedingt Klarheit, "also ich hab gehört, dass ... Auuuuu!" Modi hatte gegen ihr Schienbein getreten. Wütend blitzte sie ihn an, doch er schüttelte entschuldigend und kopfschüttelnd sein Haupt. Sein Blick sagte Lovina alles: "Verrat mich nicht! Was denkste, was passiert, wenn die rauskriegen, dass ich gelauscht hab?" "Also was nun?" wollte Salia wissen. Man merkte ihr an, dass sie ungeduldig war. Lovina wurde rot. "Ga ... gar nichts..." stotterte sie verlegen, "ich ... ich..." "Nun?"

"Ach ... ach, vergessen wir das", lachte Lovina verlegen und fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut. Ihr Lachen klang lustlos, schrill und nicht ehrlich. "Aber ich muss mit dir reden", ergriff Salia nun das Wort. Sie warf einen missbilligen und nicht sehr freundlichen Blick auf Modi. "Mit dir habe ich nichts zu schaffen, also geh, Modi!" "Aber..." begann Modi, als er jedoch Salias entschlossen Blick sah, verzog er sich grummelnd. Er tappte an ihr vorbei und rammte sie extra in die Schulter. Dann verschwand er die Treppe hinunter in die Verlorenen Wälder. Salia trat zu Lovina heran und legte ihr kameradschaftlich eine Hand auf die Schulter.

"Er hat uns mal wieder belauscht, oder?" fragte sie scheinbar mit Desinteresse. Lovina antwortete nicht. Salia seufzte. "Er hat also." "Das hab ich dir aber nicht gesagt," murmelte Lovina. Salia hob ihre grünen Augenbrauen. "Das tut nicht zur Sache. Fazit ist, dass es stimmt, was er gesagt hat." Ängstlich und ungläubig starrte Lovina sie aus großen kristallblauen Augen an. "Ich ... ich soll wirklich den Wald ver .. verlassen?" Salia nickte.

"Aber warum? Was hab ich getan?" Mit einem Mal war Lovina ganz aufgeregt. Salia lächelte leicht. "Getan hast du nichts, aber es ist dein Schicksal den Wald zu verlassen. Es ist deine Bestimmung." "Mein Zuhause zu verlassen soll meine Bestimmung sein?" Lovina konnte Salia nicht verstehen. "Aber warum?" "Die durch scheinbar nichts aufzuhaltende Hitze wird immer mehr Leben nehmen. Schon so viele Kokiri haben die Hitze nicht ertragen, schon so viele sind gestorben. Es muss etwas geschehen!"

"Das ist mir auch klar. Aber warum ausgerechnet ich? Ich meine, warum muss ich den Wald verlassen?" Sie dachte kurz nach. "Modi sagte irgend was davon, dass die Hitze Heat of Death genannt wird und dass ich mich mit Boten aus den anderen Völkern verbünden muss um die Fünf Großen Mächte zu suchen, was auch immer diese sein mögen." Salia nickte nachdenklich. "Ja, das hat er richtig gehört. Die Fünf Großen Mächte sind eine uralte Macht. Sie ist die einzige Chance, mit der man die gnadenlose Hitze noch aufhalten kann. Die Fünf Großen Mächte bestehen aus Mut, Entschlossenheit, Reinheit, Stärke und Liebe. Mit ihnen kann man die Sun of Death aufhalten. Du fragst, was Sun of Death ist? Die Todessonne!"

"Die ... Todes ... sonne?" Lovina spürte, wie es ihr eiskalt den Rücken hinunter lief. "Schon damals, etwa vor fünfhundert Jahren, war die Sun of Death schon mal in Hyrule gewesen und hatte die Welt bedroht, aber die Fünf Großen Mächte konnten sie stoppen. Dann, laut der Legende, verwandelten sich die Mächte in fünf Energiekristalle und diese verteilten sich über ganz Hyrule." "Aber wenn das schon fünfhundert Jahre her ist, hätte man doch mittlerweile diese fünf Energiekristalle finden können", überlegte Lovina laut und ihre Stimme bekam einen sauren Unterton. "Warum muss jetzt ausgerechnet ich mich auf die Suche nach ihnen machen?"

Salia lächelte sanft. "Es gibt da ein Geheimnis deiner Geburt." "Ein Geheimnis meiner Geburt?" Lovinas Augen wurden so groß wie Suppenteller. "Ja, der mächtige Deku-Baum hat dich nicht erschaffen." "Nicht? Aber..."

"Du wurdest uns von den Göttinnen Din, Nayru und Farore übergeben. Sie sprachen: ,Dieses Mädchen ist ein Kind des Schicksals. Sollte eines Tages die Todessonne Hyrule heimsuchen, so sei es ihre Bestimmung, sich auf die Suche nach den fünf Fragmenten der Fünf Großen Mächte zu machen. Doch sie ist nicht die einzige Auserwählte. Der König und die Königin sollen einen Jungen erhalten, der das Schicksal dieses Mädchens teilt. Auch den Goronen haben wir einen Jungen übergeben, der kämpfen wird, sollte die Todessonne wiederkehren. In der Obhut der Gerudos wird eine junge Kriegerin ihr Schicksal erwarten. Und aus den Tiefen des Hylia-Sees wird eine auserwählte Zora auftauchen. Hütet dieses Mädchen, denn es sei ihre Bestimmung die Fünf Großen Mächte zu suchen und ihr Fragment zu erwecken!' Dann kehrten sie wieder gen Erden und wir haben sie niemals wieder gesehen."

"Du hast leibhaftig die Göttinnen gesehen?" Lovina kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Salia nickte. "Ja, Mido, der Deku-Baum und ich haben sie gesehen, damals an dem Tag, an dem du zu uns gekommen bist!" "Aber wieso ... wieso habt ihr mir das nicht schon früher erzählt?" wollte Lovina wissen. "Niemand konnte wissen, ob die Todessonne überhaupt kommen würde. Es hätte sein können, dass sie für immer besiegt wäre, aber wie du siehst..." "Was heißt das, ich muss mein Fragment erwecken?" "Wie gesagt, die Fünf Großen Mächte bestehen aus Mut, Entschlossenheit, Stärke, Liebe und Reinheit. Sie sind zerbrochen und entstehen nur noch als fünf Fragmente. Eine dieser fünf Charaktereigenschaften ist deine."

"Welche?" Hilflos zuckte Salia die Schultern. "Tut mir Leid, aber diese Frage kann ich dir nicht beantworten. Das musst du auf deiner Reise selbst herausfinden!" "Wann muss ich den ... Wald ... verlassen?" Lovina spürte einen dicken Kloß im Hals. "Am Besten sofort! Je eher die Fragmente sich wieder verbunden haben, desto besser!"Lovina schluckte. Aber sie spürte: Sie hatte gar keine andere Wahl! Sie war ein Kind der Göttinnen!


Unruhig wälzte Spiron, von seinen Freunden Spirit genannt, sich in seinem großen Bett herum. Gerade eben hatte er noch tief geschlafen, dann hatten dunkle Nebel seinen Traum aufgelöst und er war schweißgebadet aufgewacht. Die Nacht war still, gelegentlich konnte man draußen, etwa zehn Meter unter Spirits Fenster, die Nachtwachen patrouillieren hören. Er seufzte. Das Schloss seiner Eltern, auch das seine, war gut geschützt und trotzdem... Trotzdem fühlte er sich längst nicht mehr wohl.

Er konnte eine böse, dunkle Aura spüren. Eine Macht, die immer größer zu werden schien, um Leben zu nehmen. Unruhig warf er sich im Bett herum. Er fand einfach keine Ruhe. Ob das an der Hitze lag? Es war eine dunkle, sternlose Nacht, aber es war warm, ja, sogar heiß. Spirit sprang aus dem Bett und torkelte hinüber zum Fenster und blickte hinaus. Der Mond warf dunkle Schatten auf den großen Park von Schloss Hyrule. Es sah geradezu gespenstisch aus. Von seinen Zimmerfenster konnte Spirit den Marktplatz ausmachen, der in völliger Dunkelheit da lag. Es war schon sonderbar. Damals waren die Menschen Tag und Nacht auf dem Marktplatz gewesen, hatten miteinander geredet, Scherze getrieben und getrunken. Spirit hatte Liebesszenen und das Ende vieler Affären von seinem Fenster aus sehen können, aber nun...

Nun war kein Mensch auf dem großen Marktplatz Hyrules zu sehen. Auch am Tag sah man nur noch vereinzelt Leute. Die Menschen waren aufgebrochen zum Hylia-See oder zum Zora-Fluss. Dort hatten sie ihre Zelte aufgeschlagen und angefangen Hütten zu bauen, um sich dort ihr Überleben zu sichern. Auf den Marktplatz strahlte die Sonne unbehindert hinunter und es gab keine Bäume wie auf dem Anwesen des Schlosses, die Schatten spendeten. Es kam ein weiteres Seufzen von Spirit aus. Der junge Prinz dachte noch einmal an das Gespräch mit seiner Mutter und deren Vertrauten zurück...

Prinzessin Zelda hatte Spirit den Rücken zugedreht, blickte aus einem der großen Fenster des Schlossen hinaus und seufzte. Der junge Prinz stand mit offenem Mund in der großen Empfangshalle und wollte seinen Ohren nicht trauen. "Ihr wollt mich wegschicken?" wiederholte er ungläubig und hoffte, dass er sich verhört hatte. Zelda, seine Mutter, die hübsche Königin Hyrules, die trotz ihres Alters noch immer allgemein Prinzessin genannt wurde, drehte sich zu ihm um. In ihren meerblauen Augen konnte Spirit Tränen schimmern sehen. Zeldas ganzes Gesicht war ungewöhnlich blaß, ihre Augen rot umrandet. Kaum merklich nickte sie.

"Ja, Spiron, mein Junge, wir müssen dich auf eine Reise schicken!" "Auf eine Reise, die für das Bestehen ganz Hyrules wichtig ist!" meinte Impa, Zeldas beste Freundin, die letzte Überlebende des Schattenvolkes, der Shiekah. Ihre Stimme klang ernst und nachdenklich. "Warum?" fragte Spiron tonlos. Abermals seufzte Zelda.

"Hyrule ist in großer Gefahr. Wir als Herrscher des Landes müssen alles in unserer Macht stehende tun, um das Unheil abzuwenden", versuchte sie ihrem Sohn zu erklären. Dieser wusste nicht recht, was er damit anfangen sollte. Stirnrunzelnd musterte er seine Mutter. Die Schönheit war ihr entwischen. Sie sah blaß und abgemagert aus und ihr Haar hing in langen, blonden Strähnen über ihre Schultern. Sie sah aus, als hätte sie seit Tagen kein Auge mehr zugemacht.

"Aber Mom, was kann ich denn schon groß tun? Man kann sich doch nicht gegen das Klima stellen!" wandte Spirit ein. Impa lächelte matt. "Klima? Die Sonne des Todes brennt auf uns herab und du redest von Klima!" Sie lachte böse auf. "Wenn es doch nur eine Klimaveränderung wäre! Nein, nein, Junge, Hyrule steht dem Untergang bevor!"

Spirit biss sich auf die Lippen während er die frühere Zofe seiner Mutter betrachtete. Ihr Gesicht war todernst. Das war nichts Neues für ihn. Er konnte sich nicht daran erinnern, die beste Freundin seiner Mutter jemals lachen gesehen zu haben. Ob es an dem Schmerz liegt? fragte er sich, der Schmerz, dass sie ihre Familie und ihr ganzes Volk verloren hat? Aber wie waren die Shiekah eigentlich ausgelöscht worden? Das war eine Frage, die er sich schon oft gestellt hatte, aber nie gewagt hatte zu fragen. Aber da er nun sowieso das Anwesen Schloss Hyrules verlassen sollte, konnte er ja auch noch fragen. Er blickte Impa unvermittelt an.

"Impa, sag mir, wie sind die Shiekah verschwunden? Wer hat sie ausgelöscht?" "Was?" Impa schrak bei seiner Frage zusammen. "Spiron!" schrie die Königin wütend aus. "Wie kannst du es wagen, Impa nach den Shiekah zu fragen!" Sie war zutiefst empört. Doch Impa lächelte schwach. "Zelda, ich glaube, es ist an der Zeit, dass Spiron es erfahren soll. Eines Tages wird er Hyrules König sein, da soll er auch wissen, was Sache ist." "Na ja," Zelda wirkte unentschlossen. Doch dann stimmte sie zu. "Wenn du meinst. Ich vertraue dir, Impa." Die mittlerweile weißhaarige Frau nickte. "Ich weiss, Zelda." Dann wandte sie sich Spirit zu, der sie gespannt ansah. Sie nickte nochmals.

"Es ist nun an der Zeit, dass du erfährst, wie die Shiekah Hyrule verlassen haben. Die Geschichte ist nun schon fünfhundert Jahre alt, aber die letzten Shiekah haben sie nie vergessen und sie von Generation zu Generation weitererzählt. Höre nun die Legende der Heat of Death:

Damals gab es in der Steppe viele Stämme. Alle waren verwandt miteinander. Ihre Zelte hatten sie in die Schatten der Bäume gestellt und sie selbst trugen immer schwarze Kleidung, Kleidung so düster wie die Nacht und genauso bedrohlich. Man nannte sie die Shiekah, das Schattenvolk. Sie lebten friedlich und in ziemlicher Übereinstimmung mit den Hylianern. Aber plötzlich..." Impa hielt inne und preßte ihre Augenlider aufeinander als versuche sie sich zu erinnern.

"Aber plötzlich," begann sie auf's Neue, "verschwand die milde, freundliche Sonne. Das Klima in Hyrule veränderte sich: Eine grelle, blutrote Sonne tauchte über dem Todesberg auf. Sie verbreitete eine große Hitze und in sekundenschnelle fielen Pflanzen, Sträucher und ganze Bäume in sich zusammen. Die Zoras, das amphibische Fischvolk, zogen sich in ihr Reich jenseits des riesigen Wasserfalles zurück. Die Goronen bestiegen den Gipfel des Todesberges um die blutrote Sonne näher zu betrachten. Die Gerudos zogen sich in ihre wetterfeste Festung zurück und warteten voller Ungeduld die Sandstürme, die aus der Wüste kamen, ab. Die Kokiri, das Waldvolk, verkrochen sich im Deku-Baum, dem größten Baum Hyrules, der gleichzeitig der Hüter des Waldes war. Der damalige König der Hylianer ließ die Menschen in Schloss Hyrule ein, um sie dort vor der Hitze zu schützen, außerdem ließ er von seinen gezüchteten Wolfsheimern tiefe Katakomben unter das Schloss graben. Diese Dungeons bestehen noch immer. Tief, tief unter dem Anwesen des Schlosses.

Na ja, kommen wir also nun zu den Shiekah... Das Schattenvolk hatte keine Chance der Sonne zu entkommen. Schatten und Licht gehören zwar eigentlich zusammen, aber die Sun of Death war so grell, dass sie selbst alle Schatten verschwinden ließ. Ins Schloss konnten die Shiekah nicht, da dieses schon längst überbevölkert war. An die Goronen war erst gar nicht zu denken. Ich meine, wer würde schon freiwillig in einen noch aktiven Krater steigen? Die Kokiri litten selber große Not und konnten niemanden helfen. Außerdem war es den Shiekah ja auch gar nicht möglich den verwunschenen Wald überhaupt zu betreten. Auch die Zoras waren keine Hilfe. Sie hatten mit Eis den Zugang in die Steppe gesperrt, um so das Wasser zu stauen, das aus der Zora-Quelle floss. Blieben also nur noch die Gerudos... Die Gerudos waren auch schon damals ein männerfeindliches Volk. Sie hatten zu dieser Zeit noch keinen König, nur ein drei Monate altes Baby. An die Gerudos konnte sich das Schattenvolk nicht wenden, da es aus Männern und Frauen bestand. Außerdem lag das Gerudotal sehr nah an der Gespensterwüste. Also, was soll ich noch groß sagen: Die Shiekah fanden keinen Unterschlupf! ...."

"Aber Impa!" fuhr Spirit plötzlich dazwischen. "Warum sind sie nicht einfach zum Schattentempel in Kakariko gegangen. Der gehört doch auch noch zum Besitz der Shiekah." Impa lächelte müde. "Wenn es doch nur so einfach gewesen wäre... Nein, nein, Junge. Den Schattentempel gab es damals noch gar nicht. Er ist etwa erst vor zweihundertfünfunddreißig (235) Jahren erbaut worden." Sie schüttelte betrübt den Kopf. "So traurig es sich jetzt auch anhört, so war es wirklich: Die Shiekah hatten keinen Unterschlupf, keinen Schutz vor der Hitze!" Wütend ballte Impa ihre Hände zu Fäusten. "Die Heat of Death hat mein Volk aussterben lassen! Und nun will sie auch noch mein neues Volk ausrotten! Dagegen muss etwas getan werden!"

Spirit überlegte. "Aber können die sieben Weisen die Hitze denn nicht verbannen? Ich meine, Mom hat mir erzählt, dass sie fünf Jahre vor meiner Geburt den Großmeister des Bösen, Ganondorf, ins Höllenreich verbannt haben. Dann dürfte so eine Hitze doch kein Problem sein!" Kopfschüttelnd und mit missbilligen Blick meinte Impa: "So eine Hitze? Junge, die Heat of Death ist eine fünfhundert Jahre alte Macht! Ganondorf war dagegen doch nur ein Keuchen von einem Wirbelsturm! Die Heat of Death ist das Gefährlichste, das jemals Hyrule heimgesucht hat, und nun sogar schon zum zweiten Mal! Natürlich, die Weisen sind stark, aber gegen die Sun of Death können es nur fünf Wesen aufnehmen!"

"Nur fünf Wesen?" fragte Spirit erstaunt. Impa antwortete nichts darauf, sondern blickte gedankenverhangen aus einem der riesigen Fenster. Zelda nickte jedoch bestimmt. "Ja, Spiron. Es gibt nur fünf Wesen, die die Todessonne aufhalten können: Eine Gerudo, ein Gorone, ein Zora, eine Kokiri und ein Hylianer!" "Und diese Fünf sollen Hyrule retten?" fragte Spirit ungläubig. "Fünf verschiedene Wesen, die alle völlig andere Lebenserwartungen- und Gewohnheiten haben? Mensch, auf so 'ne Truppe möcht' ich nicht gern treffen!" "Du bist der Hylianer!" antwortete Zelda ausdruckslos.

Spirit seufzte. "Ich ... Der auserwählte Hylianer ..." Er starrte weiter hinaus in die Dunkelheit und schüttelte sein Haupt, wobei seine blonden, widerspenstigen Haare ihm ins Gesicht fielen. "Echt irre! Ich muss mich mit einer Gerudo, einer Zora, einer Kokiri und einem Goronen verbünden!" Er schnaupte. "Super! Gerudos können nichts anderes als stehlen und ihre roten Haare kämmen! Zoras sind mir einfach zu abartig mit ihren seltsamen Fischschuppen! Kokiri hab ich noch nie gesehen, vielleicht sind sie so hässlich, dass deshalb der Fluch über ihren Wald lastet! Und Goronen! Diese fetten Steinfresser!" Spirit schüttelte sich. Das ging ja wohl ganz über seine Ehre als Prinz von Hyrule! Er sollte sich mit einem solchen Haufen verbünden? "Nie!" schwor er sich. "Nie!" Und blickte weiter in die ruhige, heiße Nacht hinaus.


"Herzlich Willkommen zum diesjährigen Steinfresser-Wettkampf!" schallte eine fröhliche, dunkle Stimme durch die große Halle Goronias. Goronia war die Stadt des Steinfresser-Volkes, der Goronen. Oben an der Decke der großen Halle hing eine kleine Plattform in der Luft, die von vier straffen Tauen gehalten wurde. Von dieser Plattform aus konnte man die ganze Halle überblicken. Auf der Plattform drauf stand ein dicker, braunschwarzer Gorone, er grinste vor sich hin, nahm abermals das Megaphon zur Hand und schrie fröhlich: "Herzlich Willkommen zum diesjährigen Steinfresser-Wettkampf in Goronia, der Stadt der Goronen!" Er war guter Laune wie alle übrigen Goronen es auch waren. Denn heute war der langersehnte, goronische Feiertag, der Steinfresser-Wettkampf-Tag, so im Volksmund genannt. Heute, an diesem Tag, sollte niemand arbeiten. Jeder Gorone sollte kommen und an dem nur einmal im Jahr stattfindenden Wettkampf teilnehmen oder zusehen.

Mittlerweile hatten es sich schon sehr viele Goronen auf der neu errichteten Tribüne bequem gemacht, quatschten miteinander und stritten darüber, wer wohl dieses Jahr gewinnen sollte. In der Mitte der riesigen Halle waren zwanzig Holztische aufgebaut, je fünf standen in einer Reihe. Auf den Tischen befanden sich riesengroße dunkelrote Steine. Es waren Dodongosteine, das Leibgericht der Goronen.

"Was denkst du, wer dieses Jahr gewinnt?" fragte gerade ein Gorone auf der Tribüne seinen Nachbarn. Dieser zuckte bloß seine breiten und muskulösen Schultern und meinte: "Auf wen tippst du denn?" Ohne Nachzudenken erwiderte der Gorone sofort: "Ich bin mir nicht sicher. Entweder Gon Mario oder Strong." "Strong?" Sein Nachbar hob erstaunt seine Brauen. "Wieso ausgerechnet der junge Strong? Nimmt er denn überhaupt teil?" "Aber natürlich!" Der andere Gorone nickte eifrig. "Sonst hätte ich ihn wohl kaum erwähnt."

"Du scheinst ja sehr von ihm überzeugt zu sein", murmelte sein Nachbar kopfschüttelnd. "Was hast du gegen Strong?" wollte der andere Gorone wissen. "Ich habe nichts gegen Strong, aber ich denke kaum, dass er Darunias Sohn Gon Mario gewachsen ist." "Ja okay," gab der Gorone zu, "Strong ist nicht der Kräftigste, und Gon Mario so gigantisch wie kein anderer in seinem Alter, aber..." "Was gibt es noch viel zu abern?" meinte sein Nachbar langsam verärgert. "Gon Mario wird gewinnen, so wie die letzten drei Jahre auch."

"Aber Strong hat trainiert..." versuchte der Gorone sich zu verteidigen. "Trainiert, trainiert," murmelte sein Nachbar lächelnd, "entweder hat man 'nen großen Pansen oder eben nicht. Du glaubst doch wohl nicht, das in den schmächtigen Strong zwanzig Kilo Dodongosteine passen!" Er schüttelte seinen behaarten Schädel. "Nein, vollkommen unmöglich, Guronon. Fressen kann man nicht trainieren!" Der Gorone, der mit dem Gespräch angefangen hatte und auf den Namen Guronon hörte, ließ sich davon nicht beeinflussen. "Ich glaube an den jungen Strong." "Schön und gut, aber das wird ihn nicht gewinnen lassen." "Du wirst schon sehen", murmelte Guronon und wandte sich dann seinem rechten Nachbarn zu, von dem er sich ein besseres Gespräch erhoffte.

"Daddy, wir müssen etwas unternehmen!" Mit verschränkten Armen, so weit das möglich war bei seinen dicken Armen, stand ein dicker, muskulöser Gorone mit langem, schwarzen Haar vor dem riesigen Thron aus glänzendem Stein, auf dem der König der Goronen, Darunia, seinen Platz hatte. Darunia musterte den jungen Goronen aufmerksam. Es war sein Sohn, Gon Mario. Darunia überlegte. Sollte er Gon Mario das wirklich durchgehen lassen?

"Daddy!" unterbrach der kräftige Gon Mario seinen Vater und wurde immer ungeduldiger, Darunia um so nachdenklicher. Sollte er wirklich...? "Ist er denn so gut?" wollte er dann von seinem Sohn wissen. "Besser als du?" Beschämt senkte Gon Mario sein Haupt und starrte den sandigen Boden an.

"Er ... er hat eine sehr interessante ... Technik", murmelte Gon Mario kaum hörbar, "fast unschlagbar!" Erstaunt hob Darunia seine Brauen. "Willst du mir wirklich erzählen, der junge Strong habe sich in einem Jahr so verbessert, dass du schon um deinen Sieg fürchtest?" Wütend blickte sein Sohn auf. "Ich fürchte überhaupt nichts, ist das klar! Schon gar nicht so einen mickrigen Trottel," fügte er leiser hinzu. "Aber du befürchtest, dass er dir deinen Sieg streitig machen könnte?" "Na ja", meinte Gon Mario etwas unsicher, "wie gesagt, er hat eine komische Technik drauf. Ich habe ihn beim Trainieren gesehen. Echt außergewöhnlich."

"Und wie steht es so mit deinem Training?" wollte Darunia wissen und betrachtete seinen Sohn mit misstrauischen Blicken. "Na ja, also..." begann Gon Mario, hielt dann aber inne, als er den strengen Blick seines Vaters sah. Wieder starrte er zu Boden. Er musterte die kleinen Sandkörner auf dem Boden. "Manchmal müsste man selbst auch ein Sandkorn sein", dachte er seufzend.

"...den Sieg verdient!" "Was?" Erstaunt blickte Gon Mario auf. Darunia hatte irgend etwas gesagt, doch er hatte ihm gar nicht zugehört. "Selbst Schuld, hättest du trainiert, hättest du jetzt vielleicht kein Lampenfieber vor dem Wettkampf. So hat Strong sich den Sieg verdient. Denn er hat - wie du es gerade selbst gesagt hast - hart trainiert. Jawohl, ich bin gespannt auf den Kampf. Möge also der Bessere gewinnen!" sagte Darunia feierlich und griff dann nach einem kleinen, schwarzen Stein, der auf einem Teller neben dem Thron auf einer kleinen Säule stand. Herzhaft biss er in den Stein hinein. Genießerisch verzog er das Gesicht und seine Augen strahlten. "Köstlich!"

Das warf zu viel für Gon Mario. Sauer drehte er sich um und verließ Darunias Gemach. Kaum war er weg, begann Darunia wieder zu grübeln. Er seufzte. Ja, ja, die Heat of Death. Für Goronia und das ganze Volk stellte sie keine Gefahr da und doch... Er musste den Waisenjungen Strong auf die Suche nach den Fünf Großen Mächten schicken. Denn Strong war kein gewöhnlicher Gorone. Es war göttlicher Herkunft. Vor etwa zwölf Jahren waren Darunia und seinem Freund Biggoron, ebenfalls ein Gorone, Zeuge etwas Unglaublichem gewesen:

Sie waren zusammen auf dem Gipfel des Todesberges gewesen und hatten nach köstlichen Steinen Ausschau gehalten, als plötzlich ein helles Strahlen vom Himmel hinuntergesaust kam und den Gipfel in helles Licht tauchte. Die Göttin des Mutes, Farore, war hinabgestiegen und hielt in ihren Armen ein Goronen-Baby. Farore war so wunderschön, dass ihre Schönheit gar nicht zu beschreiben gewesen wäre. Sie hatte Darunia das Goronen-Baby übergeben und gesagt:

"Dieses Baby ist ein Kind des Schicksals. Sollte eines Tages die Todessonne Hyrule heimsuchen, so sei es seine Bestimmung sich auf die Suche nach den fünf Fragmenten der Fünf Großen Mächte zu machen. Doch er ist nicht der einzige Auserwählte. Der König und die Königin sollen einen Jungen erhalten, der das Schicksal dieses Babys teilt. Auch den Kokiri haben wir ein Mädchen zukommen lassen, das den Wald verlassen wird, sollte die Todessonne wiederkehren. In der Obhut der Gerudos wird eine junge Kriegerin ihr Schicksal erwarten. Und aus den Tiefen des Hylia-Sees wird eine auserwählte Zora auftauchen. Hüte dieses Goronen-Baby, Darunia, denn es sei seine Bestimmung die Fünf Großen Mächte zu suchen und sein Fragment zu erwecken!" Dann hatte ihm das göttliche Geschöpf das Baby übergeben und war wieder gen Erden gekehrt.

Seitdem hatte Darunia das Baby so wie seinen eigenen Sohn Gon Mario großgezogen. Trotzdem blieb nicht geheim, dass Strong, wie das Goronen-Baby genannt wurde, nicht Darunias leiblicher Sohn war. Niemand außer Biggoron und Darunias Frau Darana wusste die Wahrheit über Strongs Herkunft. So wurde er auch oft "Strong, das Waisenkind" genannt. Strong selbst wusste von seinem Schicksal auch nichts. Ihm hatte man erzählt, seine Mutter hätte ihn in der Hylianischen Steppe geboren und wäre dann dort gestorben.

Nachdenklich wiegte Darunia seinen Kopf hin und her. Er seufzte. Der Tag war gekommen! Die Heat of Death war zurück gekehrt. Es seufzte abermals. Wie lange hatte er gehofft, dass ihm das Gespräch mit Strong erspart bleiben würde, aber so wie es aussah... Das dritte Seufzen ertönte. Plötzlich hörte Darunia Schritte auf dem Flur und richtete sich sofort auf, wie es sich für einen König gehörte. Er versuchte seine Anspannung zu vertreiben. Dann klopfte es auch schon gegen die steinerne Tür von Darunias Gemach.

"Wer ist da?" verlangte Darunia zu wissen. "Ich..." erklang eine zögernde Stimme von draußen. Aber Darunia erkannte sie sofort. "Du kannst reinkommen, Strong." Vorsichtig wurde die steinerne Tür geöffnet und ein für sein Alter kleiner Gorone betrat den Raum. Er hatte eine orangenfarbige Haut, große, schwarze Kulleraugen, einen großen Schmunzelmund und trug eine rote Zipfelmütze auf dem Kopf. Der junge Gorone lächelte schüchtern. Darunia faltete seine riesigen Hände zusammen und musterte seinen Ziehsohn, das Schicksalskind. "Was führt dich zu mir, mein Junge?"

"Also ich," begann Strong zögernd, brach dann jedoch ab. "Nun? Erzähl schon. Niemand wird dir den Kopf abreißen", ermunterte Darunia ihn zum Weitersprechen. "Ich ... ich werde an dem Wettbewerb nicht teilnehmen," brachte Strong schließlich heraus. Überrascht sah Darunia ihn an. "Wie kommt denn das so plötzlich? Ich denke, du hast gut trainiert?" Strongs Kulleraugen wurden groß. "Nei ... nein, das muss ein Missverständnis sein, ich ... ich kann nicht teilnehmen!" "Dann sag mir doch mal bitte wieso!" verlangte Darunia. Ihm gefiel die Art des jungen Goronen heute ganz und gar nicht. Betreten sah Strong zu Boden und murmelte dabei: "Das kann ich nicht."

Plötzlich kam Darunia der Geistesblitz. "Hat Gon Mario dich etwa ... bedroht? Dir gesagt, du sollst nicht teilnehmen?" Darunia wurde eindringlicher. "Hat er das? Strong, sag es mir!" Strong blickte weiter zerknirscht den Boden an und preßte seine Lippen fest aufeinander. Er hatte gewusst es würde schwierig sein, mit seinem Ziehvater darüber zu sprechen. Aber er musste es denn tun, denn sonst...

"Er hat also!" schlussfolgerte Darunia aus Strongs Schweigen. "Gut, dann wird er eben disqualifiziert und vom Wettkampf ausgeschlossen!" "Nein!" schrie Strong erschrocken aus und sein Kopf sauste so schnell in die Höhe, dass ihm seine Zipfelmütze vom Kopf fiel. Streng betrachtete Darunia ihn. "Nun denn, Strong. Dann sage mir die Wahrheit." "Ich ... ich darf nicht..." "Wieso?" "Er ... er würde..." "Wer würde was?"

"Also ... also..." In Strongs Augen traten Tränen. Er hielt den strengen Blick Darunias einfach nicht aus, und wenn er dann auch noch an Gon Mario und seine Drohung ihm gegenüber dachte! Darunia bemerkte Strongs Verzweiflung und gab nach. "Ich muss sowieso mit ihm reden," dachte er, "über sehr viel Ernsteres als das hier. Er muss so schnell wie möglich aufbrechen um sich auf die Suche nach den Fünf Großen Mächten zu machen!" Er atmete noch einmal tief durch.

"Vergessen wir das!" meinte er laut zu Strong. Mit seinen großen Augen schaute Strong Darunia groß an. "Du willst es gar nicht mehr wissen?" "Nein, ich will es gar nicht mehr wissen." meinte Darunia bestimmt. "Aber..." "Ich muss mit dir über sehr viel Wichtigeres sprechen!" "Um etwas sehr viel Wichtigeres?"

Darunia nickte. "Es geht um die Heat of Death und die Fünf Großen Mächte!" Strong war verwirrt. "Hä? Was meinst du?" Wieder nickte Darunia, diesmal nachdenklicher. "Ich werde dir die Legende erzählen..." Und er begann Strong die Geschichte zu erzählen, die Ruto bereits Clear, Naboru und Sumania bereits Resuluta, die Salia bereits Lovina und die bereits Zelda und Impa Spirit erzählt hatten. Die Legende der Heat of Death, die nun alle Auserwählten erfahren hatten, so das ihre große Suche beginnen konnte!


Die kleine Gestalt, die unter einem fast kahlen Baum Schutz vor der heißen Abendsonne gesucht hatte, blickte gespannt auf, als sie die Hufe eines Pferdes hörte, das den Weg entlang geritten kam. Es war noch nicht sehr dunkel und die Gestalt konnte das näherkommende Pferd nun besser sehen und erkennen, dass sich ein Reiter auf ihm befand. Der Reiter, vielleicht war es auch eine Reiterin, war ganz in einen braunen Umhang gehüllt und hatte die Kapuze davon so tief ins Gesicht gezogen, das man sie nicht erkennen konnte. Der Reiter schien die Gestalt bemerkt zu haben und lenkte sein Pferd in Richtung des Baumes unter dem die Gestalt saß. Die Gestalt unter dem Baum, die gegen die Sonne ebenfalls einen Umhang hatte, allerdings einen grünen, blickte zu dem Reiter auf, als das Pferd vor ihr zum Stoppen kam. Der Reiter blickte auf die Gestalt im grünen Umhang herab und wartete, sagte nichts. Nach schier endlosen Minuten des Anstarrens brach die unter dem Baum kauernde Gestalt das Schweigen.

"Wer seid Ihr? Kommt ihr aus dieser Gegend?" Der Reiter sagte nichts, blickte nur weiter zu ihr hinab. Die Gestalt richtete sich auf und trat auf das Pferd zu. Es scheute zurück und wieherte. Dennoch meinte die Gestalt heiter: "Ein richtiges Pferd! Nie hätte ich mir erträumt jemals ein richtiges, echtes Pferd zu sehen!" "Dann bist du wohl nicht von hier", erwiderte der Reiter im braunen Umhang. Aus der Stimme war nicht herauszuhören, ob es ein Junge oder ein Mädchen war.

"Nein, nicht direkt," gab die Gestalt zu, streckte ihr dünne Hand aus dem Umhang hervor und wollte das Pferd berühren, doch dieses wich wieder nach hinten. "Lüfte deinen Umhang und zeig mir dein Antlitz!" verlangte der Reiter nun, seine Stimme klang bestimmt und einschüchternd. "Nun gut", Die Gestalt griff nach der Kapuze ihres Umhangs und zog sie sich dann langsam vom Kopf. Ein hübsches Mädchen mit spitzen Ohren und schulterlangen, grünen Haaren kam zum Vorschein. Der Reiter schnappte nach Luft.

"Bist du etwa eine Kokiri?" Das junge Mädchen nickte. "Ja, mein Name ist Lovina. Ich komme aus dem Kokiri-Wald, der in den Verlorenen Wäldern liegt. Und mit wem habe ich die Ehre?" Zuerst brach die Gestalt auf dem Pferd in Gelächter aus. "Eine echte Kokiri! Wow! Ich hab sie mir immer ganz anders vorgestellt!" Dann sprang sie mit einem tollkühnen Salto von ihrem Pferd und landete direkt vor den Füßen der Waldbewohnerin. Unter ihrem braunen Umhang kam eine braungebrannte, zarte Haut heraus. Die Gestalt streckte der Kokiri die Hand entgegen.

"Hi. Mein Name ist Resuluta." "Hallo. Hast du Lust mir Gesellschaft zu leisten?" fragte Lovina. "Ich wollte gerade Etwas essen." Wieder brach die Gestalt, die sich nun als Resuluta vorgestellt hatte, in helles Gelächter aus. Nun erkannte man es als eine weibliche Stimme. Außerdem klang das Lachen laut und kehlig. "Da sag ich doch nicht nein!"

Sie zog sich nun ebenfalls die Kapuze vom Kopf. Als erstes sah man nur ihr langes, wildes, scharlachrotes Haar, dann machte sich ein braungebranntes Gesicht bemerkbar mit funkelnden, bernsteinfarbenen Augen und einer kecken Stupsnase. Resuluta ließ sich zurück ins Gras purzeln und verzog dann das Gesicht als sie auf dem Boden lag.

"Jetzt hab ich mich so gefreut, im Gras zu übernachten und jetzt das!" "Jetzt was?" fragte Lovina verwirrt und ließ sich neben ihr nieder. "Jetzt ist das ganze Gras vertrocknet und gar nicht mehr schön!" Resuluta zog einen Schmollmund, dann setzte sie erklärend hinzu: "Dort, wo ich herkomme, gibt es weit und breit kein Gras. Nur Sand, Sand und nochmals Sand!" Mit geballter Faust schlug sie auf den trockenen Boden, dann bemerkte sie, dass Lovina sie anstarrte und blickte sie nun ebenfalls an.

"Was ist?" "Dein Haar hat echt eine atemberaubende Farbe", meinte Lovina staunend, "so glänzend und ... ach, ich weiss ja auch nicht!" Resuluta grinste. "Kleinigkeit. Ich bin vom Stamm der Gerudo-Kriegerinnen! In mir fließt echtes Amazonen-Blut!" Lovina konnte ohne Mühe den Stolz in ihrer Stimme heraus hören. Aber plötzlich fragte sie: "Gehörte Ganondorf nicht zu den Gerudos? War er nicht sogar euer König?"

Resuluta verzog das Gesicht. "Doch, war er. Ein Mann, der das Amazonen-Volk anführt!" Sie spuckte mit Verachtung auf den Boden. "Das konnte ja nur daneben gehen! Ohne König sind wir viel besser dran!" Lovina musterte das Mädchen mit den wilden, roten Haaren nachdenklich. Sie schien kaum älter als sie selbst zu sein. "Hast du Ganondorf denn gekannt? Ich meine, seine Verbannung in die Hölle war vor achtzehn Jahren! Wie alt bist du denn?"

Resuluta lachte böse auf und warf ihre langen, roten Haaren in den Nacken. "Nein, ich hab ihn nicht gekannt. Aber ich hätte Ganondoof echt zu gern mal meine Meinung gesagt!" Gestikulierend ballte sie ihre Hände zu Fäusten. "Ganondoof?" lachte Lovina auf. "Ist passender", meinte Resuluta grinsend. "Sag mal, hattest du nicht eben etwas von Essen erwähnt?" Lovina lachte. "Doch hab ich." "Dann pack mal schnell aus!" forderte Resuluta sie auf. "Ich hab Hunger wie ein Gorone! Bin heute fast den ganzen Tag nur geritten. Das Gerudotal ist weit von hier. Eine ganze Tagesreise."

"Wo willst du denn hin?" erkundigte sich Lovina während sie in ihrem Beutel unter dem Umhang nach ihrem Proviant kramte. Als sie von Resuluta keine Antwort bekam sah sie auf. Resuluta hatte ihre Augen zur untergehenden, dunkelroten Sonne gerichtet und wirkte wie hypnotisiert. Schließlich seufzte sie und meinte: "Ich weiss es ehrlich gesagt nicht." Erstaunt blickte Lovina sie an. "Wie, du weißt es nicht?" "Das wäre eine viel zu lange Geschichte dir das zu erzählen. Ich bin auf der Suche nach Etwas, nach Etwas Großem, Etwas Bedeutendem, nach Etwas, das Hyrule retten kann!"

"Etwas, das Hyrule retten kann?" wiederholte Lovina Stirn runzelnd. Plötzlich fuhr sie erschrocken auf und sprang auf die Füße. "Du meinst doch nicht etwa die Fünf Großen Mächte?" schrie sie verblüfft aus. "Doch", Resuluta nickte eifrig. Dann wurden ihre Augen riesengroß. "Du bist doch nicht etwa...?"

"Doch, ich bin eine der Auserwählten. Ich musste die Kokiri verlassen um die Fragmente der Fünf Großen Mächte zu suchen und zu erwecken, aber leider..." "...leider weißt du nicht, wo du anfangen sollst!" vollendete Resuluta grinsend Lovinas Satz. Betreten nickte Lovina. "Genauso ist es." Mit ihren kristallklaren Augen sah Lovina Resuluta an. "Du bist also die Auserwählte der Gerudo-Kriegerinnen", schlussfolgerte Lovina und lächelte. "Wollen wir uns gemein auf die Suche begeben?" Resuluta nickte. "Klar. Aber jetzt lass uns essen!"

"Okay", stimmte Lovina zu und begann wieder in ihrem Reisebeutel zu kramen. Resuluta war ihr sympathisch und sie hatte das Gefühl, dass sie und Resuluta vom gleichen Blut waren. Jedenfalls hatten sie dieselbe Bestimmung. Endlich hatte Lovina ein Stück trockenes Brot und einen nicht mehr sehr reifen Apfel in ihrem Beutel gefunden. Sie hielt Resuluta beides hin. "Hier. Such dir aus, was du essen willst." Resuluta wandte ihre Blicke dem Apfel in Lovinas rechter Hand zu. Sie runzelte die Stirn. "Was ist das?" "Was?" Lovina begann zu lachen. "Hast du etwa wirklich noch nie einen Apfel gesehen?"

"Also Apfel", meinte Resuluta nachdenklich, "ja, nein. Also: Ich will den Apfel!" Lovina reichte ihn ihr und sofort biss Resuluta begierig hinein. Sie zerkaute ihn mit nachdenklichen Blicken. "Schmeckt süß, aber auch schon ziemlich eingetrocknet." Lovina zuckte die Schultern. "Was erwartest du denn? Wo soll es denn schon noch frisches Obst geben bei der Hitze?" Resuluta gab keine Antwort darauf, sondern sagte: "Du hast es wieder erwähnt! Die Heat of Death!"

"Wir müssen sie aufhalten!" Entschlossen kaute Lovina auf dem trockenen Brot herum. "Sag mal", begann Resuluta und betrachtete Lovina eingehend, "wieso bist du eigentlich auserwählt worden im Namen der Kokiri die Fünf Großen Mächte zu suchen? Du scheinst mir nicht gerade sehr stark zu sein und ein Pferd hast du auch keins. Na ja, die gibt es ja bei euch auch nicht. Aber hast du eigentlich eine Waffe?"

Ihre Blicke schienen Lovina zu durchbohren. Etwas sauer schaute Lovina die junge Gerudo-Kriegerin an. "Du traust mir wohl gar nichts zu, was?" fauchte sie. "Du bist ja eine Gerudo! Fühlst du dich deshalb so toll? Eine Angeberin bist du! Und hochmütig! Natürlich hab ich eine Waffe! Eine Feen-Schleuder, wenn du's genau wissen willst! Und gib bloß nicht so an mit deinem Pferd! Und noch was: Wieso ich auserkoren wurde? Weil ich eine Tochter der Göttinnen bin! Nicht der Deku-Baum hat mir mein Leben geschenkt, sondern die drei Göttinnen, die Erschafferinnen Hyrules!" Grimmig blickte sie Resuluta an. "Nun zufrieden?"

"Holla!" rief Resuluta aus und streckte ihre Hände schützend von sich. "Ist ja gut, ist ja gut. Okay, okay. Nur..." "Was nur?" giftete Lovina. Aus ihren bernsteinfarbenen Augen musterte Resuluta das Kokiri-Mädchen. "Das mit den Göttinnen war ja wohl übertrieben, meinst du nicht auch! Ich glaub dir ja, dass du auserwählt wurdest! Aber mir gleich so eine Geschichte aufzutischen. Es hätte auch gereicht, wenn..."

Was gereicht hätte, wird wohl niemand erfahren, denn Lovina unterbrach Resuluta empört: "Geschichte aufgetischt? Sie ist wahr! Ich bin keine wahre Kokiri. Salia hat es mir erzählt. Die Göttinnen haben mich in den Kokiri-Wald gebracht, damit ich dort mein Schicksal erwarten kann." "Sicher, sicher", erwiderte Resuluta und nagte weiter auf dem Apfel herum. "Ich will dir ja nicht deinen Glauben nehmen." "Was heißt hier: Ich will dir nicht deinen Glauben nehmen?" fauchte Lovina erzürnt. "Es ist doch wahr!- Aber," wechselte sie dann das Thema beiläufig, "warum bist du eigentlich auserwählt worden?"

"Nun ja," Die Gerudo grinste schelmisch. "Eine junge Kriegerin sollte sich auf die Suche nach den Fünf Großen Mächten begeben. Sie sollte schnell sein, listig, gut kämpfen können und gut reiten und wirklich bereit dazu sein ihre eigenen Wege zu gehen." Resuluta lachte und warf sich ihr rotes Haar in den Nacken. "Also, was soll ich noch groß sagen? Ich bin die Beste in meinem Alter und deshalb ausgewählt worden! Verstehst du das nicht? Ich kann gut kämpfen, ohne Waffen, vom Pferd aus, mit Pfeil und Bogen, mit Speer... Tja, so ist das."

"Aha," meinte Lovina nachdenklich. "Und du meinst, es steckt nichts anderes dahinter? Keine geheime Geburt oder so was?" "Das müsste ich ja dann wohl wissen", grinste Resuluta und biss wieder ein großes Stück ihres Apfels ab. "Wieso?" Lovina, die sich mittlerweile wieder beruhigt hatte, ließ sich nicht davon abbringen. "Ich habe auch erst gestern erfahren, dass ich keine wahre Kokiri bin." "Wo du es gerade erwähnst..." begann Resuluta. "Ich hab mal gehört, ihr Kokiri hättet Feen, so als Begleiter. Stimmt das?" "Ja, das stimmt. Das hast du richtig gehört." "Hast du auch eine Fee?"

Lovina senkte den Blick und starrte auf das verdorrte Gras. Resuluta bemerkte es und legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Hey, Lovi, was ist los?" In Lovinas Augen erschienen Tränen. "Ni ... nichts..." "Das kannste jemand anderem erzählen, aber nicht mir!" Ergeben nickte Lovina. "Hilea," begann sie zu erzählen, "war meine Schutzfee. Sie war vom Tag an meiner Geburt immer für mich da. Bis auf..." "Bis auf was?" wollte die Gerudo neugierig wissen. Die junge Waldbewohnerin seufzte. "Die Feen ertrugen die Hitze nicht und verließen den Kokiri-Wald. Sie machten sich auf und suchten überall Feen-Brunnen, da sie nur dort vor der Heat of Death in Sicherheit waren." Resuluta schnaubte wütend. "Tolle Schutzfeen sind das!"

"Wir dürfen ihnen nicht böse sein. Jetzt wegen der Hitze ist es ja ganz verständlich, dass jedes Volk nur noch versucht sein eigenes Überleben zu sichern. Ich ... ich bin Hilea jedenfalls nicht böse. Ich ... ich hoffe bloß, dass es ihr gut geht." Wieder begann Lovina zu schluchzen und Resuluta legte ihr nun ihren Arm um die Schultern, streichelte sie und tröstete sie dabei. "Wein dich nur aus", meinte sie und blickte zur Abendsonne, die nun jeden Moment hinter dem Todesberg zu verschwinden drohte. Plötzlich, gerade waren die letzten Strahlen verglüht, sprang Resuluta panisch auf. Sie riss die vollkommen verwirrte Lovina ebenfalls hoch und schrie dabei: "Die Nacht bricht an!"

"Wie ... was ... ich versteh nicht..." murmelte Lovina verwirrt und ließ sich von Resulutas Panik anstecken. "Schnell auf's Pferd!" schrie Resuluta hysterisch, sprang blitzschnell auf ihren rabenschwarzen Hengst, packte Lovinas Arm und zog diese dann zu sich nach oben. Sie packte die Zügel. "Halt dich an mir fest!" befahl sie Lovina eilig. Dann verpasste sie ihrem Hengst einen Klaps auf das Hinterteil und ließ ihn los galoppieren. So schnell er konnte, trabte der Hengst durch die dunkle Hylianische Steppe. "Wohin reiten wir?" fragte Lovina nach einer Weile, als der Hengst noch immer nicht das Tempo verlangsamt hatte.

"Nur weg von der Steppe!" war Resulutas knappe Antwort, dann konzentrierte sie sich wieder auf den Weg und die Zügel in ihren Händen. "Warum?" Lovina war völlig verwirrt. Es war ihr größter Traum gewesen einmal auf einem Pferd zu reiten, doch nun nahm sie es gar nicht recht wahr. Sie wusste nicht, was sie von der ganzen Situation halten sollte. Ihre neue Freundin schien wirklich sehr nervös und aufgeregt zu sein. Resuluta ignorierte Lovinas Frage und ließ ihren Hengst, sein Name war übrigens Blacknight, nicht verlangsamen und flüsterte ihm immer wieder geheimnisvolle Worte ins Ohr. Seltsamer Weise verhielt sich Blacknight ganz ruhig, wieherte nicht einmal und das Aufstampfen seiner Hufe hörte man kaum in der stillen Nacht. Doch plötzlich hörte Lovina ein Geräusch. Sie wandte ihren Kopf um und sah, das sich plötzlich die Erde hinter ihnen aufwühlte und Knochenhände sich begannen aus dem Boden herauszuscharren. Langsam kamen zwei Skelette zum Vorschein. Sie hatten glutrote Augen und sahen aus wie...

"Hunde?" Lovina begann zu lachen. "Hey Resuluta, dahinten graben sich Hundeskelette aus dem Boden!" "Was soll daran bitte lustig sein?" zischte Resuluta zwischen zusammengebissenen Zähnen. "Wir müssen hier weg!" "Wegen denen?" Lovina lachte abermals. "Das sind doch bloß wacklige Hundeskelette, die sich alle zwei rote Fackeln in die Augen gesteckt haben!" "Ob du's glaubst oder nicht: Ja, wegen denen! Und halt endlich die Klappe!" schrie Resuluta und versuchte ruhig zu bleiben um Blacknight nicht zu erschrecken. "Das sind Knochengänger. An sich ziemlich harmlos..."

"Also, wieso fliehen wir dann?" "Die Heat of Death hat sie viel stärker gemacht!" beeilte sich Resuluta zu erklären. "Sonst war es abends schon immer kühl und sie konnten sich keine Energie aufladen. Aber da die Hitze auch die ganze Nacht immer da ist, können die Knochengänger sie absorbieren und erhalten neue Kräfte. Verstehst du nicht? Wir müssen fliehen, wenn dir dein Leben lieb ist!" Und sie verpasste Blacknight noch einen Klaps auf sein Hinterteil und flüsterte ihm wieder die geheimnisvollen Worte ins Ohr. Sie ritten weiter und bald schon waren die Knochengänger Lovinas Blickfeld entschwunden. Auf einmal schrie Resuluta freudig aus: "Ein Ausgang!"

"Was?" Lovina hatte sie nicht richtig verstanden. Resuluta deutete nach vorn. "Da ist ein Gatter. Wenn wir da drüber springen, haben wir die Steppe hoffentlich verlassen." "Ein Versuch ist es wert", meinte Lovina eher unbeteiligt. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass die Hundeskelette so gefährlich sein sollten. Diese sogenannten Knochengänger.

Plötzlich schrie Resuluta laut auf: "Mist!" "Was ist?" fragte Lovina sofort alarmiert. "Ich weiss nicht, ob Blacknight es über das Gatter schaffen kann!" "Wer ist Blacknight?" "Mein Hengst, zur Göttin noch mal!" fluchte Resuluta, Panik schwebte in ihrer Stimme. Dann meinte sie beruhigend zu Blacknight: "Komm schon, Kumpel, wir schaffen das!"

Mit ihren dünnen Fingern zupfte sie an seiner silbernen Mähne. "Los!" Zur Bestätigung wieherte Blacknight und setzte dann zu einem schnellen Galopp an. Lovina schloss die Augen. "Bitte, bitte, mach das wir es schaffen!" betete sie im Stillen, zur welcher der Göttinnen wusste sie selbst nicht. Sie klammerte sich fester an Resuluta heran. Plötzlich spürte sie wie Blacknights Hufe hart auf dem Boden aufschlugen.

"Wir haben es nicht geschafft", war ihr erster Gedanke, dann hörte sie Resuluta jubeln: "Blacknight, Kumpel, du bist unglaublich!" Blacknight kam zum Stillstand und zögernd öffnete Lovina die Augen. "Haben wir es geschafft?" Resuluta drehte sich zu ihr um und umarmte sie. "Ja, Blacknight hat es geschafft. Sieh hin." Lovina drehte sich ebenfalls um und sah etwa zehn Meter hinter ihnen das hohe Gatter. Die beiden Mädchen seufzen Gleichzeitig auf. "Glück gehabt!" Dann sahen sie sich. Wo waren sie überhaupt?

"Ah! Hilfe, Hilfe, da kommt ein Monster!" Schreiend lief ein kleines Mädchen auf ein schäbiges, winziges Haus zu und verschwand darin. "Monster? Wo?" Strong, der gerade den Gebirgspfad von Kakariko passiert hatte, blieb wie vom Donner gerührt stehen und wagte nicht sich um zu schauen.

Er war gerade in das Dorf, das immer wieder Obdachlose freundlich aufnahm, eingetreten, als das kleine Mädchen ihn aus großen, blauen Augen angesehen hatte und dann schreiend davon gelaufen war. Verwirrt blickte er sich nun doch um. Es war dunkel in Kakariko, nur einige Fackeln am Dorfeingang und das spärliche Licht, das aus den Fenstern der wenigen Häuser schien, erhellten das Dorf. Strong konnte keine Monster oder sonst auffällige Gestalten ausmachen. Und plötzlich dämmerte ihm, wen das Mädchen mit "Monster" gemeint hatte. Strong seufzte schwer. "Ein Monster? Ich? Oje, oje..."

Auf einmal wurde die Tür des kleinen Hauses wieder geöffnet und eine junge Frau streckte zögernd ihren Kopf hinaus. Sie hatte braunes Haar, das ihr nicht ganz auf die Schultern reichte, strahlend blaue Augen, spitze Ohren (*lol* haben ja fast alle) und trug einen jeansblauen Rock, der am Saum weiße Verzierungen hatte, außerdem hatte sie ein weißes Hemd und darüber eine dunkelrote Weste an. Sie erblickte Strong, der nur wenige Meter von dem Häuschen weg war, sofort. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

"Du bist ein Gorone, nicht wahr?" fragte sie, hielt aber noch immer Abstand von ihm. Strong nickte. "Und Sie müssen eine Hylianerin sein", meinte er und lächelte auch. "Sie?" Das Mädchen verzog das Gesicht. "Sag nicht ,Sie' zu mir. Dann komm ich mir gleich so erwachsen vor, dabei bin ich doch erst fünfzehn. ,Sie' klingt schon so alt."

Strong nickte. "Schon verstanden." Wieder grinste er das Mädchen an. "Wie heißt du?" Gerade wollte das Mädchen den Mund öffnen um zu antworten, da erklang eine schrille Stimme aus dem Inneren des Häuschen: "CURA!!! Redest du etwa mit dem MONSTER???" Das Mädchen brach in Gelächter aus. "Damit wäre die Frage nach meinem Namen wohl geklärt. Also, ich heiße Cura. Und wie heißt du?"

Verlegen rieb Strong sich seinen Schädel. "Also mein Name ist Strong. Hallo Cura." Er trat einige Schritte näher und wollte in das Innere des Hauses spähen. "Warum hat die Kleine Angst vor mir?" wollte er neugierig wissen. Entschuldigend blickte Cura ihn an. "Sei Dementia nicht böse, Strong", bat sie den Goronen, "du musst verstehen: Dementia hat noch nie zuvor einen Goronen gesehen und da hier in letzter Zeit immer wieder Monster auftauchen, hielt sie dich eben für eins. Außerdem hat sie sowieso nur Unsinn im Kopf, wie es ihr Name schon sagt."

"Warum tauchen immer wieder Monster hier auf?" fragte Strong aufgeregt. "Und warum wirkt Kakariko wie eine Geisterstadt?" Cura seufzte schwer. "Das ist nicht schwer zu erklären. Kakariko wirkt wie eine Geisterstadt, weil sie auch eine ist!" "Wie meinst du denn das jetzt?" rief Strong verblüfft aus. Curas Gesichtszüge wurden traurig. "Die Menschen haben Kakariko verlassen. Es war ihnen hier zu heiß. Sie sind aufgebrochen zum Zora-Fluss und zum Hylia-See", zerknirscht zuckte sie die Schultern, "Dort, hofften sie, würde alles besser für sie sein.

Aber der Zora-Fluss führt kaum noch Wasser und der Hylia-See ist schon fast nur noch eine tiefe, braune Grube. Nichts wird dann mehr daran erinnern, dass es jemals mal ein Fluss oder ein See war." "Sind denn wirklich alle Menschen fort?" "Alle, außer drei," sagte Cura betrübt und sah zu Boden. "Nur noch drei?" schrie Strong entsetzt aus und starrte Cura aus seinen großen, schwarzen Kulleraugen ungläubig und gleichzeitig mitfühlend an.

Cura nickte. "Ja, nur noch drei. Dementia, meine Großmutter und ich." "Warum seid ihr nicht auch geflohen? Und was ist dann in diesen Häusern?" Strong wies auf die größeren, umstehenden Häuser, in denen überall spärlich Licht aus den Fenstern schien und das Dorf so etwas erhellt wurde. Das junge Mädchen seufzte tief. "Darin sind Knochengänger, Stalfos-Ritter und andere schaurige Kreaturen. Diese haben sich da ihre Quartiere gemacht als die Menschen alle geflohen sind wegen der Hitze. Um auf deine Frage zurück zu kommen: Meine Großmutter, Dementia und ich konnten nicht fliehen. Erstens hätten wir gar keine Ausrüstung und zweitens ist Großmutter einfach zu schwach für eine Reise zum Hylia-See oder zum Zora-Flu..."

"Schwach?!" kreischte plötzlich eine rauhe, schrille Stimme aus dem Inneren des Häuschen heraus. "Wer ist hier schwach, Cura? Ich nicht! Ich ganz bestimmt nicht! Nein, nein ,nein! Ich bin nicht schwach! Ich bin nicht schwach!" Strong musste bei der verärgerten Stimme, die wohl oder übel Curas Großmutter gehörte, anfangen zu grinsen. Wie die alte Frau vor sich hin schimpfte, hörte sich wirklich komisch an. Doch Cura sah das ganz anders. Wütend fuhr sie herum und sagte dann mit bewusster Stimme: "Großmutter, reg dich nicht auf. Du bist alt und krank."

"Krank?" schimpfte die Alte weiter. Strong konnte sie zwar nicht sehen, aber er stellte sich vor, dass sie wahrscheinlich gerade wütend mit geballten Fäusten auf ihre Bettdecke einschlug (so fern sie in einem Bett lag, was er vermutete). "Ich bin nicht krank. Und das ich alt bin, musst einem Monster auch nicht auf die Nase binden!" "Großmutter!" rief Cura wütend aus. "Strong ist kein Monster sondern ein netter, junger Gorone aus den Bergen." Strong wurde rot und er war froh, dass Cura ihm den Rücken zugewandt hatte.

Plötzlich sah er, wie sich ein Kopf zwischen Cura und den Türspalt drängte und zu ihm hinaus blickte. Es war das kleine Mädchen von vorhin. Nun konnte Strong sie etwas besser erkennen: Dementia hatte ,so wie ihre große Schwester, dunkelbraunes, etwas lockiges Haar, jedoch war ihres länger und reichte ihr weit über die Schultern. Ihre Augen hatten dieselbe Farbe wie die von Cura- strahlend blau. Etwas misstrauisch sah sie zu ihm hinüber. "Bist du auch wirklich kein Monster?" wollte sie wissen. Natürlich hoffte sie auf ein "Nein". Strongs Schmunzelmund verzog sich zu einer schiefen Grimasse. "Oh doch. Und am Liebsten ess ich kleine Mädchen, die Dementia heißen!"

Erst erschrak Dementia, dann streckte sie ihm auf einmal die Zunge heraus und sagte: "Stimmt ja gar nicht!" Strong ging darauf ein: "Stimmt ja wohl!" "Und was isst du an mir zuerst?" fragte Dementia neugierig. Strong konnte verstehen, warum ihr Name "Unsinn" bedeutete. Er dachte kurz nach, musterte sie und verzog dann plötzlich angewidert das Gesicht. "Ich glaub, ich hab meine Meinung geändert. Kleine Mädchen stehen heute nicht auf meinem Speiseplan."

"Und Große?" fragte Dementia grinsend und zugleich herausfordernd. "Du möchtest meine Schwester doch am Liebsten vernaschen, oder nicht?" Strong spürte, wie ihm die Röte ins Goronen-Gesicht schoss und wünschte sich sehnlichst, er sähe nicht aus wie eine überreife Tomate. "Nei ... nein ... stimmt gar nicht..." stotterte er aufgeregt, "ist ... ist gar nicht ... wa ...wahr..." "Was stimmt nicht?" Cura hatte sich wieder Strong und Dementia zugewandt. Der Anblick, der sich ihr bot, versetzte sie durchaus in Erstaunen: Ihre kleine Schwester hatte die Arme vor der Brust verschränkt und betrachtete hämisch grinsend Strong, der plötzlich eine andere Farbe angenommen hatte- täuschte sie sich oder war es tatsächlich rot?- und nicht wusste, wohin er sehen sollte.

"Du kleines Biest", dachte Strong, musste sich aber eingestehen, dass er sich selbst in diese mißliche Lage gebracht hatte. "Halt jetzt bloß deine Klappe!" Dementia schaute grinsend zu ihrer großen Schwester hinauf und erwiderte: "Gar nichts. Ich und Strong haben..." "Strong und du", verbesserte Cura automatisch. Dementia verzog ihr hübsches Gesicht. "Ja, ja. Dann eben: Strong und ich haben jetzt ein Geheimnis und ich werde es dir...," sie warf Strong einen fiesen Blick zu.

"Du miese Kröte!" dachte Strong verbittert. "...nicht verraten!" "Was?" erklang es doppelt. Einmal von Strong, einmal von Cura. Dementia lächelte zu Strong hin und zwinkerte ihm vergnügt zu. "Sie ist doch gar nicht so übel", dachte Strong und ein riesengroßer Felsklotz fiel ihm vom Herzen. "Ich habe Großmutter nun beruhigt," erklärte Cura nun. "Hast du nicht Lust mit uns zu Essen?" fragte sie dann Strong. Dieser nickte eifrig. "Ja, sehr gerne."

"Die Antwort war ja klar", grinste Dementia vor sich hin. Strong warf ihr einen schnellen, warnenden Blick zu. Dann trat er näher und ging mit den beiden Mädchen in das kleine Haus hinein. Die Tür schloss sich hinter ihnen und nur noch der schwache Kerzenschein schien aus den Fenstern hinaus. Die Gestalt, die derweil hinter einer Kiste die ganze Situation beobachtet hatte, richtete sich nun auf und seufzte erleichtert, da sie sich nun nicht mehr zu verstecken brauchte. Das wenige Licht, das aus den Fenstern schien, würde sie nicht verraten. So setzte sie ihren Weg durch das Dorf fort.

*

Weit weg an einem unbekannten Ort: "Es hat begonnen!" Die junge Frau lachte böse auf. "Es wird nun Zeit mit den Kindern zu spielen!" stimmte eine andere weibliche Stimme ihr zu. "Die Jagd ist eröffnet!" lachte eine männliche Stimme. "Oh, diese Kinder wissen noch gar nicht, was für ein Glück sie haben!" warf eine vierte, ebenfalls männliche Stimme, ein. Zufrieden rieb sich die fünfte, dunkle Gestalt die Hände. "Mit uns zu spielen, ist eine große Ehre. Lassen wir also das Spiel ,Sun of Death' beginnen!" Und alle Fünf brachen in großes, böses, hinterhältiges Gelächter aus. Für sie hatte das Spiel begonnen!

*

"Und warum greifen euch die Stalfos-Ritter nicht an?" wollte Strong wissen. Er stellte seinen Becher mit dem dampfenden Kaffee auf dem niedrigen Holztisch ab. Trotz der Hitze hatte er etwas Warmes zu Trinken verlangt, was die beiden Mädchen sehr ins Staunen versetzt hatte. Denn sie beide tranken eiskaltes Wasser, das sie aus dem fast ausgetrockneten Dorfbrunnen geschöpft hatten. Cura nahm ihren Becher von den Lippen, hielt ihn in den Händen, drehte ihn und sagte dann: "Sie haben uns aus unserem Haus vertrieben. Wir lebten im größten Haus Kakarikos, waren zufrieden und es hat uns nie an Rubinen gemangelt.

Doch als alle Menschen geflohen waren, nahmen diese Geschöpfe der Nacht Kakariko ein und vertrieben uns aus unserem Haus. Einige Knochengänger stürzten sich sogar auf uns", Sie schüttelte sich heftig bei der Erinnerung und fuhr schnell fort: "Aber dann tauchte eine schwarze, maskierte, gut gebaute Gestalt auf und wies die Kreaturen an, uns in Frieden zu lassen. Sie führte uns zu dieser kleinen Hütte und versicherte uns, dass uns die Knochengänger, Stalfos-Ritter uns was weiss ich noch alles, in Ruhe lassen würden. Sofern wir uns ruhig verhielten."

Sie verstummte. Nachdenklich starrte sie hinein in ihren aus Lehm angefertigten Becher. Schließlich seufzte sie. "Es wird spät. Wir sollten uns schlafen legen", Sie warf Dementia einen strengen Blick zu, "marsch, marsch, in dein Bett, Schwesterchen." Maulend, aber gehorsam, zog Dementia sich in einen Winkel der Hütte zurück. In der gegenüberliegenden Ecke gab die Großmutter leise Schnarschgeräusche von sich. Neugierig musterte Cura Strong nun.

"Du bist ein Gorone aus den Bergen. Was führt dich also hier hinab nach Kakariko?" Strong zögerte mit der Antwort. Doch als er in Curas wunderschöne Augen sah, schmolz sein Zweifel dahin und er begann zu erzählen: "Ich bin von meinem Volk, den Goronen, auserwählt worden die Hitze des Todes zu besiegen." Staunend wiegte Cura ihren Kopf hin und her. Sie wusste nicht recht, ob sie Strong das glauben sollte. "Das ist aber ein sehr seltsames Vorhaben", meinte sie schließlich. "Es ist aber wahr!" beharrte Strong. "Irgend jemand muss doch was unternehmen!" "Ausgerechnet du?" Cura lächelte tröstend. "Ich glaube, dass ist nicht die Aufgabe eines elfjährigen Goronen."

"Ich bin zwölf!" antwortete Strong etwas sauer. "Außerdem: Einer muss es eben tun!" "Du bist sehr mutig, Strong." "Da ... danke." Wieder bemerkte Strong, dass sein Kopf und dann langsam sein gesamter Körper eine rötliche Farbe bekam. "Und was hast du genau vor?" erkundigte sich Cura nun. Strong begann ihr von den Fünf Großen Mächten zu erzählen und schweigend, ohne ihn zu unterbrechen, lauschte Cura aufmerksam seinen Worten.

" ...Tja, und deshalb muss ich mich nun aufmachen, die fünf Fragmente zu suchen, verstehst du", endete er mit seiner Erzählung. "Es ist nun einmal meine Bestimmung." "Wann wirst du Kakariko verlassen?" fragte Cura ihn. Ihre Miene zeigte nicht an, woran sie dachte oder worum ihre Gedanken kreisten. Strong richtete sich auf. "Ich glaube, es wird nun Zeit. Wenn erst diese nachtaktiven Kumpel Wind davon kriegen, dass ihr Besuch habt, dann war's das mit eurer Ruhe." "Du wirst also nun zu deiner Reise ins Ungewisse aufbrechen?" Strong nickte. "So soll es sein. So ist es vorausbestimmt worden!" "Strong?" "Hm?" Erstaunt blickte Strong in Curas Augen. Sie tränten und waren feucht! "Pass auf dich auf!" "Werd ich, ganz klar." versprach er. Cura stand nun ebenfalls auf und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Wieder wurde er rot. Innerlich fluchte er: "Gerade wo ich wieder meine herkömmliche Farbe hatte!"

Doch dann wurde ihm ganz wohl und warm ums Goronenherz. "Sie hat mich geküsst!" dachte er beglückt. "Mich, mich, mich, und keinen anderen!" Er grinste Cura zuversichtlich an. "Hey, ich mach das schon." "Strong geht weg?" Dementia hatte sich wieder aus ihrem Nachtlager erhoben und torkelte etwas schlaftrunken auf den jungen Goronen zu. Cura nahm ihre kleine Schwester in den Arm und hielt sie fest, damit sie nicht umfiel. Sanft streifte sie ihr übers vom Bett zerzauste Haar. "Ja, Dementia. Strong muss weiter, er hat bei uns bloß ein kleines Päuschen eingelegt."

Aus müden, blauen Augen starrte Dementia Strong unverwandt an. "Kommst du wieder?" Strong zögerte mit der Antwort. Hilfesuchend warf er Cura einen Blick zu, diese nickte kaum merklich. "Weißt du, Dementia", begann sie, "Strong hat noch eine große Reise vor sich, eine sehr lange, weite Reise. Es kann lange dauern bis er wieder nach Kakariko zurück kehrt." "Aber wenn, dann kommst du doch, oder?" wollte die Kleine wissen und blickte Strong flehend an. Der Gorone nickte. "Versprochen. Dann komm ich wieder."

*

Mit einer leichten Bewegung brach Clear die Wellen über sich und kam aus den Tiefen des Hylia-Sees zum Vorschein. Sie blinzelte in das grelle Sonnenlicht, das auf den schon fast ausgetrockneten See hinabfiel. Sie seufzte. "Wow, ist das so heiß. Und dabei bin ich im Wasser. Kaum zu glauben. Diese Hitze ist erdrückend und ..." Das Zoramädchen hatte Mühe den Gedanken weiter zu denken, "...und tödlich!" Sie blickte sich um. Zwei Inseln waren fast ganz aus dem Wasser gehoben und man konnte die eine nur noch durch eine Brücke, die vom Ufer her führte, erreichen. Die andere war bloß noch für fliegende Geschöpfe zugänglich. Abermals seufzte Clear. "Ich hätte nicht gedacht, dass es um den See schon so schlimm steht."

Über sich konnte sie nachtschwarze Krähen ausmachen. Es schien ihr als würden sie alle über einem bestimmten Punkt kreisen: Genau über der unzugänglichen Insel mit den beiden Pfeilern. "Da muss etwas sein", überlegte sich die Zora, "Die Krähen sind sicher nicht umsonst so aufgeregt. Ich muss nachsehen!" Eilig, mit schnellen Bewegungen, die denen eines Fisches gleich waren, schwamm sie Richtung Ufer, wo ein kleines Häuschen mit einem hohen Turm mit lilanem Dach stand. Clear wusste, was in diesem Häuschen vor sich ging: Experimente mit Zora-Eiern und Glotzfröschen!

Ein eiskalter Schauer jagte ihr über den Rücken. Nur ein einziger Mann forschte in diesem sogenannten Labor, aber sein bloßer Anblick lehrte Clear immer wieder das Schaudern. Ihr blieb keine Zeit weiter darüber nachzugrübeln, denn sie hatte das Ufer erreicht. Mühsam stieg sie den kleinen Hügel hinauf, auf dem das Labor stand. Sie hatte vor, die Brücke hinüber zu der einen Insel zu benutzen und das ging nur von dort aus. Als sie den Hügel erklommen hatte, stockte ihr erst einmal der Atem:

Nur wenige Meter von dem Labor entfernt standen an die dutzend Zelte. Überall saßen Menschen- Clear vermutete sie als Hylianer- davor und starrten mit griesgrämigen Gesichtern zum Boden, zur Sonne oder zum See. Aber keiner nahm das junge Zoramädchen wahr. "Die Hitze macht ihnen sehr zu schaffen. Arme Hylianer." dachte sie unglücklich. Dann wandte sie sich der Hängebrücke neben dem Labor zu. Zögernd und vorsichtig betrat sie sie. Es schaukelte ein wenig, aber die Brücke schien an sich ganz stabil zu sein. Erleichtert seufzte Clear auf und machte sich auf den Weg zur Insel.

Um so näher sie der kleinen Insel mit dem verdorrten Baum kam, desto beunruhigter wurde sie. Auf der anderen Insel, die sie leider nicht erreichen konnte, schienen die Krähen verrückt zu spielen. "Kein Zweifel, da ist was!" schlussfolgerte Clear und war sich ganz sicher. Nach schier endlosen Minuten- so erschien es Clear zumindest- hatte sie endlich die Insel erreicht. Sie legte ihre rechte Hand an die Stirn um sich so vor den blendenden Strahlen der Sonne zu schützen und starrte angestrengt hinüber zu der anderen Insel.

Wie sollte sie hinüber kommen und rausfinden, was sich da abspielte? Sie überlegte angestrengt. Es musste doch- Verflixt noch mal!- einen Weg geben! Plötzlich hörte sie das Schlagen von großen Flügeln gegen den Wind hinter sich und fuhr erschrocken herum. Erstaunt schlug sie ihre Hände vor den Mund. Hinter ihr, auf einem Felsbrocken, hatte sich eine Eule niedergelassen und starrte sie aus kleinen, wasserblauen Augen misstrauisch an.

Sie war gigantisch! Bestimmt doppelt so groß wie Clear selbst! Ihre Federn schienen alle möglichen Brauntöne zu beherbergen und lange, spitze Augenbrauen standen nach rechts und links bedrohlich ab. Das Gesicht der Eule- sofern man von einem Gesicht sprechen konnte- war ganz in weiß getaucht mit einigen seltsamen, braunen Verzierungen im Bausch. Der Schnabel war spitz und hatte eine Farbe, die wie Gold schimmerte. Die Krallen waren lang und ungewöhnlich spitz. Alles in allem wirkte die ganze Eule unheimlich und beängstigend auf Clear.

Schließlich- Clear fiel vor Überraschung beinah in Ohnmacht- öffnete die Eule ihren Schnabel und sagte mit etwas krächzender Stimme: "Ein junges Zoramädchen. Sei mir gegrüßt. Was tust du an einem Ort wie diesem?" Ohne Nachzudenken antwortete Clear: "Das hier ist ein See und logischer Weise leben Zora im Wasser." Falten erschienen auf der Stirn der Eule. "Das meinte ich nicht, Zoramädchen. Wieso treibst du dich am fast ausgetrockneten Hylia-See herum, wenn es in der Zora-Quelle noch genug Wasser gibt?" "Du weißt davon?" fragte Clear überrascht.

Die Eule schmunzelte. "Glaub mir, Zoramädchen, ich weiss so einiges.- Also, was führt dich hier her?" Mit strengem Blick musterte die Eule Clear. Unsicher scharrte Clear mit ihren Flossenfüßen über den rauhen Boden. "Nun ja..." "Also? Los, erzähl es mir", forderte die Eule sie auf. Clear sah wieder auf und starrte die Eule dann provozierend an. "Das werde ich nicht tun!" "Ach nein?" "Nein!" "Und wieso nicht?"

"Ich kann nicht jedem Fremden meine Lebensgeschichte erzählen", meinte Clear und bemühte sich nicht nervös zu wirken. Die Augen der Eule wurden größer. "Ich bin nicht ,jeder Fremde'!" empörte sie sich. "Wer bist du dann?" Einen kurzen Augenblick zögerte die Eule und Clear konnte die Unsicherheit in ihren Augen sehen, doch dann antwortete sie: "Mein Name ist Methusa." "Methusa?" Clear runzelte die Stirn. "Ich glaube, ich hab schon einmal etwas von einer Eule namens Methusa gehört."

Methusa, die Eule, nickte eifrig. "Aber natürlich. Ich habe in der Helden-Saga des damals jungen Link eine große Rolle gespielt. Mit Rat stand ich ihm stets zur Seite." "Kann schon sein, dass ich in diesem Zusammenhang von dir gehört habe", meinte Clear eher gelangweilt. Methusa ging nicht darauf ein, der gelangweilte Ton des Zoramädchens war ihm nicht entgangen. Wieder blickte er Clear an.

"Dein Name ist Clear, hab ich nicht Recht?" Bei Clears verblüfften Aufschrei und dem erstaunten Gesicht fuhr Methusa vergnügt fort: "Deine Mutter ist die Zora-Königin Ruto und dein Vater der Zora-König Folosso. Daraus schlussfolgere ich, dass du Zora-Prinzessin Clear bist." Befriedigt grinste Methusa, wenn man bei einem Eulen-kopf von Grinsen sprechen konnte, vor sich hin. "Ich sagte doch schon: Ich weiss so einiges."

Clear überwand ihre Überraschung. "Weißt du auch, wer oder was die Krähen so verrückt macht?" Sie deutete zur nahegelegenen und doch unerreichbar scheinenden Insel. "Es ist jemand aus deinem Volk." "Ein Zora?" schrie Clear erschrocken auf. "Ist er verletzt? Sag es mir, Methusa!" Die gigantische Eule wandte ihren Blick ab. Clear verstand. Methusa musste nicht mehr antworten. "Kannst du mich hinüber bringen?" wollte Clear aufgeregt wissen. "Ist ihm noch zu helfen?"

Methusa zuckte seine federnen Achseln. "Mach dir keine Mühe, Zoramädchen. Für ihn kommt jede Hilfe zu spät." "Kann ich denn wirklich gar nichts tun?- Bring mich sofort hinüber!" befahl sie ihm dann. Nervös zuckten Methusas lange Augenbrauen. "Also ich halte das für keine gute..." "Bring mich rüber!" wurde Clear eindringlicher und ihre Stimme bekam einen drohenden Unterton. Aus großen schaute Methusa auf sie herab. "Es wird dir nicht gefallen, Zoramädchen..." "Methusa!"

Schließlich zuckte Methusa wieder mit seinen Federn. "Ich nehme an, ich habe wohl gar keine andere Wahl, oder?" Clear grinste. "Genauso ist es." Methusa seufzte. "Junge Prinzessin, der Anblick..." "Verschone mich mit deinem Gelaber!" fuhr Clear ihn schroff an. "Ich muss hinüber, wenn dort jemand aus meinem Volk leidet!" "Leidet? Aber..." "Kein aber! Methusa, es ist mir egal, wie du es anstellst, aber bring mich auf die andere Insel, sofort!"

Schicksalsergeben gab die weise Eule schließlich nach. "Sag aber nicht, ich hätte dich nicht gewarnt." "Tu's einfach!" Methusa wanderte von dem Felsbrocken hinunter auf Clear zu. Er beugte sich etwas zu Boden und meinte dann: "Steig auf meinen Rücken, ich werde dich hinüber fliegen." Das ließ sich Clear nicht zweimal sagen und schon erhob sich Methusa in die Lüfte. Von oben wirkte der Hylia-See noch viel größer und noch trostloser.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Methusa Clears zugleich traurige und erschrockene Blicke. "Ich weiss, es ist sehr schlimm", er seufzte. "Hoffentlich werden die fünf Auserwählten bald ihre Aufgabe erfüllt haben." Clear horchte auf. "Die fünf Auserwählten?" "Mach dir darüber keine Gedanken, Zoramädchen", lenkte Methusa ab. "Das ist nicht deine Sache." "Und ob!" dachte Clear, ging aber nicht weiter darauf ein. Sie konnte sich gut vorstellen, dass Methusa erschrecken würde und die hatte wirklich keine Lust in die braune, trockene Grube unter ihnen zu fallen. Sie wandte ihre Blicke der kleinen Insel mit den Pfeilern zu.

Geradewegs flog Methusa darauf zu. Gekonnt landete er und ließ Clear hinabsteigen. Sie rutschte von seinem Rücken und ... erschrak! Auf dem Boden vor ihr lag ein magerer Zora. Seine weißen Schuppen waren blutverschmiert und eine Flosse lag einige Meter abgetrennt von ihm weg. Aus einer tiefen Wunde in der Brust strömte eine dunkelrote Flüssigkeit. Blut. Entsetzt schlug Clear die Hände vor den Mund. "Oh nein!" brachte sie bloß entsetzt hervor. Weiterhin starrte sie den am Boden liegenden Zora an. Sein Kopf lag in einem seltsam verdrehten Winkel da, sein Mund war zu einem Schrei aufgerissen und seine lavendelfarbenen Augen waren entsetzt geöffnet. Doch er zwinkerte nicht, rührte sich nicht.

Clear traten Tränen in die Augen. "Ist er...?" "Tot?" Methusa nickte. "So fand auch ich ihn vor. Es gab keine Hoffnung mehr für ihn." "Wie ... wie konnte das nur passieren?" schluchzte Clear. Um sie zu beruhigen legte Methusa ihr seinen rechten Flügel um die zuckenden Schultern. "Kanntest du ihn?"

"Was spielt das für eine Rolle?" schluchzte Clear weiter. "Jemand aus meinem Volk ist auf übelste Weise umgekommen. Ein Zora! Was wäre ich für eine Prinzessin, wenn es mich nicht treffen würde? Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: Ja, ich kannte ihn. Er ist ...war ... Zorob. Der Späher unseres Volkes. Er wollte ... er wollte die Lage hier am See überprüfen. Er hat sich freiwillig gemeldet und nun ... nun ist er tot!" Weitere Worte gingen in ihrem Schluchzen unter. Methusa umschloss sie ganz mit seinen Flügeln und tröstete sie. Ihr Körper war eiskalt vor Schock und Angst.

Schließlich, als sie sich einigermaßen wieder beruhigt hatte, fragte sie wieder: "Methusa, wie könnte das passiert sein?" Mit nachdenklichem Blick sah Methusa über den See, wenn man diesen überhaupt noch so bezeichnen konnte. "Ich weiss es nicht, Clear, ich weiss es nicht..."

*

Ziellos irrte die Gestalt aus Kakariko nun in der Hylianischen Steppe umher. Gedanken kreisten ihr im Kopf und ließen sie immer wieder zu neuen Fragen kommen. Was machte sie hier eigentlich? Warum irrte sie so ratlos durch Hyrule? Was war ihre Aufgabe? Was gab es für ein Geheimnis, das sie umgab? Die Gestalt seufzte schicksalsergeben und ließ sich am Wegrand auf einen Stein sinken. Gedankenverloren starrte sie hinauf zum orangefarbenen Himmel. Was für ein Geheimnis er wohl barg? Wie viele Welten es wohl außer Hyrule noch gab? Wie viele noch unentdeckte Völker belebten die Erde? Trotz ihrer Verwirrung lächelte sie plötzlich.

"Das Leben ist und bleibt geheimnisvoll und schicksalhaft. Was mir wohl noch alles widerfahren wird? Eigentlich bin ich ja ganz zuversichtlich auf meine Zukunft und fiebere ihr schon gespannt entgegen", dachte sie. "Aber trotzdem... Wenn ich wüsste, was ich hier eigentlich tue, wäre mir viel wohler." Plötzlich spürte sie eine Bewegung hinter sich. Blitzschnell sprang sie auf die Beine und fuhr herum. Ein Knochengänger! Die Gestalt stöhnte und lächelte böse. "Du hast es nicht anders gewollt!"

Sie erhob ihre Faust und ließ sie nach vorne auf die wankende Kreatur sausen. Treffer! Mit voller Wucht peitschte die Faust der Gestalt gegen den knöchernen Hundeskelettschädel und ... und schlug ihr mit Schwung den Kopf vom Hals. In hohem Bogen schleuderte der Schädel mit den leuchtenden Augen durch die Luft und schlug schließlich dumpf auf dem trockenen Boden auf. Dem vor sich hinschwankendem Körper verpasste die Gestalt einen gehörigen Tritt und er fiel in sich zusammen.

Verächtlich spuckte die Gestalt. "Schwächling!" Dann folgte sie weiter ihren Wegen, es gab nichts, was sie mehr an dieser Stelle hielt.

Resuluta wurde davon wach, dass ihr jemand kaltes Wasser übers Gesicht schüttete. Sie fuhr auf und blickte sich um. Grinsend stand Lovina vor ihr und meinte: "Endlich bist du wach." In ihren Händen hielt sie eine kleine Schale, in der sich noch Wassertropfen befanden. "Wieso hast du...?" begann Resuluta aufgebracht, dann unterbrach sie sich, stand auf und blickte sich um. Es war ein sonniger, heißer Morgen. Blutrot leuchtete die bedrohliche Sonne über ihnen. "Was ist eigentlich passiert?" wollte sie wissen. "Wo sind wir hier?"

Lovina deutete an sich vorbei. Hinter ihr, etwa einige hundert Meter entfernt, befand sich eine große, tiefe, braune Grube. "Könnte das da drüben mal ein See gewesen sein?" fragte sie Resuluta. Resuluta blickte an ihr vorbei zur Grube hin. Sie kniff die Augen wegen des grellen Sonnenlichts zusammen. "Ich glaub, da drüben stehen Zelte", meinte sie schließlich. Erstaunt hob Lovina ihre grünen Augenbrauen. "Zelte? Warum sollten da drüben Zelte stehen?"

"Woher soll ich das wissen?" zischte Resuluta und starrte weiterhin in Richtung braune Grube. "Was meinst du, könnte die Grube ein See gewesen sein?" fragte Lovina wieder, diesmal eindringlicher. "Kann schon möglich sein", erwiderte Resuluta eher beiläufig. "Was heißt: ,Kann schon möglich sein?' Resuluta! Ja oder nein?" Erstaunt musterte Resuluta das Kokirimädchen. "Was interessiert dich daran so?" fragte sie verblüfft.

Lovina senkte den Blick. "Es wäre ein weiteres Bild des Jammers," meinte sie niedergeschlagen, "wenn schon ganze Seen durch die Heat of Death ausgetrocknet sind! Es ist eine wahre Tragödie, Resuluta. So kann doch nicht alles zugrunde gehen!" Die Gerudo nickte grimmig. "Du hast ja Recht, Lovi, du hast ja Recht." Die Kokiri hob wieder den Blick und sah die Gerudo aus kristallblauen, entschlossenen Augen an.

"Resuluta, haben wir denn überhaupt den Hauch einer Chance die Hitze des Todes zu besiegen?" Ihre Augen begannen zu tränen. "Können wir wirklich etwas ausrichten? Werden wir die Fünf Großen Mächte finden und erwecken können? Wo und wer sind die anderen Auserwählten? Wann werden wir auf sie treffen? Gibt es dann eine Hoffnung? Einen Lichtschimmer auf Horizont? Können wir auf eine gute Zukunft hoffen? Können wir denn noch genug Leben retten? Können wir..."

Resuluta erhob ihre Hand und verpasste Lovina eine schallende Ohrfeige. Still nahm die Kokiri den Angriff in Kauf und schwieg, während sie eine Hand an ihre brennende Wange hielt. Ihre Augen hatte sie weiter entschlossen auf die Gerudo gerichtet. Auch Resuluta hatte Tränen in den Augen. Sie erwiderte Lovinas Blick, sagte jedoch nichts. Ihr Gesicht wirkte seltsam verschlossen und Lovina konnte nicht schlau daraus werden. Was ging bloß in ihrer neuen Freundin vor?

Sie selbst war ebenso unfähig ein Wort heraus zu bringen. Alles wirkte plötzlich so schwierig und aussichtslos. Schließlich murmelte sie kaum hörbar: "Danke." Resuluta nickte leicht. "Bitte", war ihr knappe Antwort. Lovina richtete ihre Blick gen Himmel. Sie starrte zur blutroten, mörderischen Sonne empor und seufzte tief. Plötzlich spürte sie, dass Resuluta neben sie trat und ihre Hand behutsam nahm. Auch sie richtete ihren Blick nach oben. Nach endlosen Minuten des Schweigens meinte sie endlich:

"Wenn wir daran glauben, Lovi, dann haben wir auch eine Chance. Einen Hoffnungsschimmer, der uns den Weg weisen wird." "Bist du sicher?" Entschlossen nickte die Gerudo. "Sehr sicher, Lovi. Wir werden es schon schaffen. Komm, wir gehen weiter, wir suchen die anderen Auserwählten." Lovina nickte zaghaft. Mit zittriger Stimme meinte sie: "Ja. Lass uns aufbrechen."

Resuluta sah sich um. Verblüfft runzelte sie die Stirn. "Er ist weg!" murmelte sie ausdruckslos. Verwirrt fragte Lovina: "Weg? Wer denn?" Die junge Kriegerin schnaubte. "Blacknight! Er ist einfach weggelaufen!" Lovina wollte ihren Arm um die aufgeregte Gerudo legen, doch diese stieß ihn weg. "Lass. Ist schon gut. Er hat aus Instinkt gehandelt ... und aus Furcht. Wir müssen eben ohne ihn klar kommen." "Bist du sehr traurig?"

Resuluta zuckte die Schultern und meinte: "Es bringt nichts, ihm jetzt nachzuweinen. Er ist fort. So müssen wir eben selbst weiterkommen. Wozu haben wir schließlich Beine und Füße?" "Zum Weglaufen?" scherzte Lovina. Resuluta erwiderte ihren Blick eisig. "Nein. Zum Suchen nach den fünf Fragmenten der Fünf Großen Mächte!" "Was schlägst du also vor?" wollte Lovina wissen und betrachtete Resuluta missmutig. Ein Lächeln begann um Resulutas Mundwinkel zu spielen während sie sagte: "Wir dürfen auf keinen Fall die Hoffnung verlieren! Die Hoffnung in uns! Die Hoffnung auf eine bessere- und hoffentlich kühlere- Zukunft!"

Tapfer nickte Lovina. "Schätze, du hast Recht." Resuluta grinste. "Klar, was hast du denn gedacht?" Doch abermals ließ Lovina ihren grünen Schopf hängen. "Und wollen sollen wir anfangen nach den Fragmenten und den anderen Auserwählten zu suchen? Ich hab gar keinen blassen Schimmer, wo diese sein könnten." "Nicht?" Seltsamer Weise war Resuluta von Lovinas Antwort erstaunt.

"Weißt du es denn etwa?" Eifrig nickte die Gerudo. "Klar. Überleg doch mal: Es sind fünf Auserwählte, je einer aus einem Volk..." "Kokiri, Gerudos, Hylianer, Zora, Goronen", fiel Lovina ihr ins Wort. Resuluta nickte. "Genau. Wir beide sind vertreten für Kokiri und Gerudos. Aus Erfahrung weiss ich, dass die Goronen auf dem Todesberg hausen, die Zora am Hylia-See oft schwimmen und die Hylianer ihren Wohnsitz in Schloss Hyrule und dem Dorf am Marktplatz haben. Dort müssen wir suchen."

Lovina sah sie schief an. "Stell dir vor, der Gedanke ist mir auch schon gekommen!" "Tatsächlich? Was gibt es also dann noch für ein Problem?" meinte Resuluta unbekümmert. "Weißt du es wirklich nicht?" "Spann mich doch nicht auf die Folter, alte Besserwisserin!" "Hey, keine Angriffe auf mich!" "Okay, okay. Aber dann sag schon, was du damit für ein Problem hast."

"Das Problem ist," begann Lovina mit ernster Stimme, "dass wir unsere Heimat verlassen haben." "Hä?" fragte Resuluta verwirrt. "Ich versteh nicht, was du damit sagen willst." Lovina stöhnte theatralisch, wie es ihre Art war. "Wenn wir unser Territorium verlassen haben um nach den Fünf Großen Mächten zu suchen, warum sollten es die anderen drei dann nicht auch gemacht haben?" äußerste sie ihre Bedenken. Resuluta wurde nachdenklich. "Ich sag es ja nicht gern", meinte sie endlich, "aber diesmal hast du wirklich Recht, Lovi. Der Gedanke ist mir tatsächlich nicht gekommen." Sie grinste. "Was würde ich nur ohne dich machen?"

"Gar nichts, du Schleimerin", erwiderte Lovina keck und blickte wieder zu den Zelten, die an der Grube standen. Sie deutete in die Richtung. "Denkst du, die Menschen, die dort kampieren, können uns Auskunft geben?" Abschätzend wiegte Resuluta ihren Kopf hin und her. "Wenn ich ehrlich sein soll... Also ich glaube nicht so ganz daran." "Aber schaden kann es doch nichts", meinte Lovina und marschierte entschlossen in die Richtung der Zelte. Kopfschüttelnd sah die Gerudo ihr nach, murmelte "Wer hätte das gedacht?" und folgte der Kokiri zu den Zelten.

Zwar hatte sie wenig Glauben daran, dass die geflohenen Menschen (denn sie vermutete, dass die Menschen vor der Hitze geflohen waren) ihnen irgendwie helfen konnten, aber dennoch folgte sie der entschlossenen Kokiri. Was sollte es auch schon schaden? Jedenfalls war es besser als einfach nur dumm in der Gegend herumzustehen und zu streiten. "Das Wichtigste ist, dass wir in diesem Kampf unsere Hoffnung an eine bessere Welt nicht verlieren und den Glauben an unsere Kräfte!" Mit diesem Gedanken trieb sich Resuluta selbst zum Weitergehen. Denn sie mussten endlich einmal etwas erreichen und ein Fragment finden. Doch da kam ihr schon die nächste Frage: Wie sahen wohl die zerbrochenen Fragmente aus?

*

Mit einem Schniefen wischte Clear ihre letzten Tränen beiseite. Aus Tränen verschmierten, lavendelfarbenen Augen blickte sie zu der riesigen Eule empor. "Methusa?" "Ja, Zoramädchen?" "Es muss etwas geschehen!" "Was du nicht sagst." "Spotte nicht über mich, es ist mein Ernst!" beharrte Clear. Mit ernsten Augen nickte Methusa. "Meiner auch!"

"Das ist nicht fair", begann Clear plötzlich zu klagen. "Warum ich? Warum ausgerechnet ich? Warum muss ich mich auf die Suche nach den Fünf Großen Mächten begeben? Ich habe keine Ahnung, wo ich nach ihnen suchen soll!" Verzweifelt starrte sie den Koloss von einer Eule an. "Kannst du mir denn nicht helfen meine Mission zu erfüllen, Methusa? Du hast doch auch damals dem Helden Link geholfen!" Abermals nickte Methusa, jedoch mit traurigen, schwarzen Augen. "Das war damals. Sehr viel Zeit ist seit damals vergangen. Ich bin..." "Wie viel Zeit?" wollte Clear wissen.

Die riesige Eule seufzte schwer. "Seit Link damals den Kokiri-Wald das erste Mal verlassen hat, sind fünfundzwanzig Jahre vergangen!" Verblüfft schnappte Clear nach Luft. "Wirklich schon so viele?" Nachdenklich wiegte Methusa seinen Eulenschädel hin und her. "Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Im Alter von siebzehn Jahren gelang es Link die sieben Weisen zu erwecken und mit deren Hilfe Ganondorf ins Höllenreich zu verbannen. Vier Jahre später heiratete er Prinzessin Zelda und noch ein Jahr später erblickte ihr Sohn Spiron zum ersten Mal das Licht der Welt."

Clear horchte auf. "Königin Zelda und Link haben einen Sohn? Das wusste ich ja gar nicht. Mami hat mir nie etwas davon erzählt." Auf Methusas Gesicht erschien ein leichtes Lächeln. Er konnte sich nur zu gut denken, warum die Königin der Zora das für sich behalten hatte. Schon im Alter von zehn Jahren, als die kleine Ruto und der junge Link sich zum ersten Mal begegnet waren, hatte sich die Zora-Prinzessin unsterblich in den Hylianer verliebt. Wahrscheinlich war sie nie wirklich darüber hinweg gekommen, dass er ihre Liebe nicht erwidert hatte. Darum hatte sie es nicht über sich gebracht ihrer Tochter von ihm zu erzählen.

"Ja, sie haben einen Sohn", bestätige er nun laut. Er bemerkte, dass Clear ins Grübeln geraten war. Trotz seiner Neugier schwieg er. Das Zoramädchen sollte selbst entscheiden, ob sie ihm nun vertraute oder nicht. Er würde warten. Immerhin hatte er ihr auch noch längst nicht alles erzählt, und von sich selbst noch gar nichts. Schließlich sagte Clear: "Methusa, könnte es sein, dass er der auserwählte Hylianer ist? Dass er es ist, den ich suchen muss? Möglich wäre es doch, vor allem da Link und Zelda seine Eltern sind!" "Du willst ihn also aufsuchen?" Entschlossen nickte Clear. "Ja, das werde ich. Wirst du mich auf meiner Reise begleiten und mir helfen jene zu suchen, die mein Schicksal teilen?"

Methusa wich ihrem Blick aus. Clear verstand und seufzte. "Dann eben nicht." Methusa nickte bloß langsam mit dem Kopf. "Aber werden wir uns denn wiedersehen?" fragte Clear und wünschte es sich sehr. Methusa nahm kurz Luft. "Wenn das Schicksal es soll will, werden sich unsere Wege wieder kreuzen und wir werden von neuem aufeinander treffen! Verliere deine Bestimmung nicht aus den Augen, Zoramädchen! Denn ihr seit jene, die das Schicksal auserkoren hat uns zu retten!"

Mit Tränen in den Augen nickte Clear. "Ich verspreche es!" Methusa trat einige Schritte nach hinten und breitete seine gewaltigen Flügel aus, bereit zum Starten! Clear trat eilig zur Seite. Mit einem kleinen Anlauf schwang Methusa sich in die Lüfte. Lange sah Clear ihm noch nach. "Ich verspreche es, Methusa! Ich verspreche es!" murmelte sie noch bis er ihren Blicken entschwunden war.

Dann wurde ihr plötzlich bewusst, dass sie sich noch immer auf der kleinen Insel mit dem halb verwesten Zora befand. Ein letztes Mal warf sie einen Blick auf den Blut überströmten Körper, den vor Schreck geweiteten Augen und dem aufstehenden Mund. Angewidert wendete sie sich ab. Doch dann drehte sie sich doch noch einmal zögernd um. Sie konnten den starren Blick dieser Augen nicht ertragen. Langsam und etwas ängstlich schritt sie auf den am verwesenden Zora zu, beugte sich über ihn und berührte mit den Fingerkuppen seine Augenlider.

Mit einer raschen Bewegung zog sie sie nach unten, sprang wieder auf die Füße und trat eilig ein paar Schritte zurück. Das wäre nun erledigt. Ihr Ziel hieß nun den jungen Hylianer namens Spiron ausfindig zu machen. Und das würde ihr auch gelingen! Zumindest hoffte sie es. Sie trat an den Rand der Insel und schaute hinunter. Die Insel war weit bis über die Hälfte freigelegt, der Wasserspiegel etwa fünfzehn Meter unter ihr. Sie nahm tief Luft und sprang mit einem kühnen Kopfsprung hinab und hoffte, dass der Grund noch tief genug war und sie nicht aufschlagen würde.

Und tatsächlich! Das Glück hatte ihr noch einmal bei gestanden. Mit einem leisen Platscher schlug sie im Wasser auf, was für eine Zora nicht weiter schlimm war. Trotzdem tauchte sie schnell wieder hinauf an die Oberfläche. Sie schaute sich um. Wo sollte sie beginnen Spiron zu suchen? Sie fand es höchst unwahrscheinlich, dass er sich ausgerechnet am fast ausgetrockneten Hylia-See herumtrieb. Aber mittlerweile war ihrer Hinsicht nach alles möglich. Dennoch musste sie sich eingestehen, dass Hyrule groß war.

"Sogar sehr groß!" seufzte sie schicksalsergeben. Dann setzte sie sich in Bewegung, Richtung Ufer. Aber was sollte sie sagen, wenn sie wirklich den jungen Königssohn traf? War er bereits über seine Aufgabe informiert? Sie hoffte es, denn sie wusste, dass keine Zeit blieb für lange Erklärungen. Und noch etwas anderes machte ihr zu schaffen: Der Tod von Zorob. Es war Mord gewesen und Zorobs Leichnam hatte ausgesehen, als hätte es der Bestie großen Spaß bereitet, ihn zu töten! Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken, während ein schrecklicher Verdacht sie heimsuchte. Könnte der verrückte Professor vom Labor etwas damit zu tun haben? Hatte er Zorob getötet, weil er Zora-Nieren, Zora-Blut und überhaupt die Eingeweide eines Zoras brauchte?

Clear atmete tief durch. "Der Typ ist zwar irre, was aber nicht bedeuten muss, dass er grausam ist. Was auch immer es war..." Ein weiterer schrecklicher Gedanke schoss Clear in den Sinn. "....es könnte noch immer hier sein!"

*

Mit zusammengefalteten Händen kniete Zelda in der Zitadelle der Zeit vor dem Zeitaltar und betete still. Tränen standen ihr in den Augen und sie hörte nicht einmal, dass das riesige Portal geöffnet wurde und jemand ebenfalls die sonst verlassende Zitadelle betrat. Erst als eine Hand sanft ihre Schulter berührte, hob sie zögernd ihr Haupt und blickte nach oben. Mit besorgtem Blick musterte ihr Mann Link, der Held und König Hyrules, sie. Er fragte nichts, sah sie nur wortlos an. Zelda stand auf und schmiegte sich an ihn. Er ließ sie gewähren und streichelte ihr über die goldblonden Locken. Und schließlich brach ein Schluchzen aus der Prinzessin heraus.

"Link?" Ihre Stimme war kaum hörbar. "Hm?" "Meinst du ... denkst du ...?" Die Stimme ging in ihrem Schluchzen unter. Ihre Schultern begannen zu zucken. "Zelda?" fragte Link sanft. Seine Gattin sah mit einem nicht deutbaren Blick zu ihm auf. Er sprach mit ruhiger Stimme weiter: "Hast du denn gar kein Vertrauen in den Jungen?" "Aber..." Link ließ sich nicht unterbrechen. "Er ist stark, Zelda, er hat die Kraft dazu seine Entschlüsse in Taten umzuwandeln! Wir sollten ihm vertrauen! Meinst du nicht auch?"

Zelda seufzte tief. "Wahrscheinlich hast du Recht. Aber es ist ein so schwieriger Gang, nur ein Wunder könnte Hyrule noch vor der Heat of Death bewahren." "Zelda", Links Stimme klang überzeugend, "die Fünf Großen Mächte sind ein Wunder!" Zeldas meerblaue Augen ruhten auf Links Blick. "Aber wird denn das Wunder noch rechtzeitig eintreffen?" "Das können wir leider nur hoffen", gab Link zu, dann versteinerte sich sein Gesichtsausdruck wieder, "Aber ich glaube an die Kinder! Du weißt doch", er grinste frech, "manchmal kann der Glaube Berge versetzen!" Und wieder seufzte Zelda. "Es hört sich so gut an. Wie gerne würde ich dir glauben..."

"Und wieso tust du es nicht? Irgend etwas bedrückt dich doch, ich spüre es ganz deutlich", bohrte Link neugierig und behutsam nach. Traurig wandte Zelda ihren Blick ab, starrte nach oben zu einem der großen Fenster der Zitadelle und begann zu sprechen:

"Ich habe Angst ihn zu verlieren. Was ist, wenn er bei dieser Reise stirbt, wenn wir ihn dann niemals wiedersehen? Ich habe Angst, Link. Er ist doch unser einziger Sohn, unser ganzes Glück, weißt du nicht mehr?! Damals ... wir waren damals so stolz ... Sein erstes Lächeln ... Seine ersten Tränen ... Wir haben ihn so geliebt wie nichts anderes auf der Welt und nun ... Nun soll er auf dieser Reise, von der man nicht weiss, wie sie enden wird, sein Leben verlieren? Das kann doch nicht sein, Link!" Zelda war verzweifelt, wie niemals zuvor in ihrem Leben.

Sanft versuchte Link sie zu beruhigen: "Aber weißt du nicht mehr wie es damals am Tag seiner Geburt war?" Er starrte ihr tief in die Augen. "Weißt du nicht mehr, was Rauru damals sagte? Ist es dir wirklich entgangen?" Weinend ließ Zelda sich auf den Stufen, die auf den Zeitaltar führten, nieder. Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen. "Ich hatte mir so gewünscht, dass die Hitze niemals auftauchen würde. Zumindest nicht zu der Zeit, in der Spiron lebt. Wieso ... wieso wurden meine Wünsche nicht erhört? Rauru, ich verfluche dich!"

Link ließ sich neben ihr nieder und nahm sie in den Arm. Er versuchte auf sie einzureden. "Wieso gibst du Rauru die Schuld daran?" fragte er vorsichtig. Zelda neben ihm schniefte und ballte ihre Hände zu Fäusten. "Dieser widerliche Priester!" preßte sie vor Wut schäumend hervor. "Er ist dafür verantwortlich! Er hat Spiron auserkoren die Fünf Großen Mächte zu suchen! Wenn er..." "Das ist nicht wahr, Zelda", widersprach er ihr, "und das weißt du ganz genau. Rauru hat nur im Sinne der Göttinnen gehandelt. Es war ihr Entschluss! Denkst du, den Goronen, Kokiri, Gerudo oder Zora geht es nicht so wie uns?

Denk an Mido und Salia! Sie werden niemals Kinder kriegen, da sie selbst für immer welche bleiben werden! Kannst du dich noch an ihre Freude erinnern, als sie uns erzählten, eine neue Kokiri sei zu ihnen gestoßen? Als sie erzählten, dass sie das Mädchen zusammen groß ziehen würden? Und wer, Zelda, wer ist dieses Mädchen? Ebenfalls eine Auserwählte! Denkst du vielleicht, Mido und Salia fällt es leicht sich von ihr zu trennen und sie in das große, unbekannte Land zu schicken? Hast du auch nur einen Moment an die beiden gedacht?!"

"Aber Link..." brachte Zelda nur mit tränenden Augen heraus, doch der hylianische Held fuhr gnadenlos fort: "Weißt du noch, als Ruto und Folosso mit Freude strahlenden Gesichtern von ihrer Tochter Clear erzählt haben? Ihrem ganzen Stolz? Oder Naboru, als sie bekannt gab, eine der Ratsmitglieder- ich glaube Nigami heißt sie- habe eine Tochter geboren, die wahres Amanzonenblut in sich trage und eine starke Kriegerin sei? Naboru selbst hat keine Tochter oder Nachfolgerin. Auch wenn sie es nie zugegeben hat- außer bei mir- Nigamis Tochter war auch ihr Stolz. Sie hatte sie bereits dazu auserkoren ihre Nachfolgerin zu werden! Was glaubst du, wie sie sich jetzt wohl fühlen mag?

Okay, nach außen hin wirkt sie unantastbar und manchmal sogar herzlos, aber Naboru hat einen weichen Kern, einen sehr weichen..."

"Woher ... woher weißt du das?" fragte Zelda zitternd und Schuldgefühle plagten sie. Wie hatte sie nur so egoistisch reagieren können? Natürlich musste es für ihre Freunde auch schwer sein, ein geliebtes Stammesmitglied herzugeben um Hyrules Willen! Sie sah Link betrübt und beschämt an. "Es ... es ist ... Ach, Link, es tut mir so Leid!" Er nahm sie in den Arm und gab ihr einen Kuss, doch auch das war für Zelda kein Trost. Sie konnte es nicht fassen, dass sie sich als Königin Hyrules so selbstsüchtig verhalten hatte.

"Wie konnte ich nur?" stöhnte sie entsetzt. "Zelda, es ist ja schon gut", versuchte ihr Mann sie zu beruhigen. "Ich wollte es dir nur klar machen. Du solltest verstehen, dass es für niemanden schön ist, sein Kind zu verlieren." Zelda nickte. "Ich weiss, Link. Und glaub mir, ich schäme mich sehr dafür." Sie wischte sich die letzten Tränen von den Wangen. Dann kam ihr plötzlich eine Idee.

"Was hältst du davon, wenn wir Ruto und Folosso, Mido und Salia, Darunia mit Darana, und Naboru zu uns einladen? Ich finde, wir könnten alle etwas Abwechslung gebrauchen, meinst du nicht auch?" Link seufzte, warf Zelda einen nicht deutbaren Blick zu und diese nickte. "Du hast Recht, nichts wird mehr so wie früher sein", sagte sie mit ausdrucksloser Stimme. Er antwortete nicht darauf, sondern erhob sich wieder. Sie sah zu ihm auf.

"Ich werde die anderen benachrichtigen. Wenn die dunkle Macht ihren Höhepunkt erreicht hat, wird es zu spät sein." Zelda erhob sich ebenfalls. "Du hast ja Recht." Link blickte ihr ernst in die Augen. "Es ist nicht nur der Kampf der Kinder, wir alle müssen helfen die Heat of Death zu bezwingen. Die anderen wissen es auch. Ich werde sie hier her rufen. Wir werden eine verdammt gute Strategie brauchen!" Er starrte grimmig und mit geballten Fäusten vor sich hin.

"Denkst du, die Göttinnen werden uns beistehen?" fragte Zelda urplötzlich. "Was?" Der hylianische Held zuckte bei dieser Frage zusammen. "Denkst du, Din, Nayru und Farore werden uns helfen, die Heat of Death zu bekriegen?" wiederholte sie ungeduldig. Links Gesicht verzog sich zu einer nachdenklichen Grimasse. Nach Minuten des Überlegens meinte er schließlich:

"Denkst du wirklich, dass es die Göttinnen gibt?" "Link ..." Vor Verblüffung riss Zelda den Mund auf, doch Link gab keine Antwort mehr, sondern verlies schnellen Schrittes die Zitadelle der Zeit.

*

Ruto stand an der höchsten Stelle des Zora-Reiches und starrte den riesigen Wasserfall hinunter. Ihre Hände hatte sie wie zum Beten zusammen gefaltet und ihr Blick erschien glasig. Immer wieder zuckten ihre Lider, außerdem zitterte sie. Ja, sie musste es sich eingestehen: Sie hatte Angst. Angst um ihre einzige Tochter. "Clear, ich vertraue dir und wünsche dir sehr viel Glück. Ihr müsst es schaffen! Hyrules Schicksal hängt davon ab!" Doch, sie glaubte an ihre Tochter. Früher war Ruto noch pessimistisch gewesen, und es war Link gewesen, der ihr beigebracht hatte niemals aufzugeben.

Es stimmte, sie hatten Hyrules Held damals geliebt, abgöttisch war ihre Liebe zu ihm gewesen. Es war ein wahrer Schicksalsschlag, als er ihre Gefühle nicht erwidert hatte. Aber als dann Hyrule vor dem Untergang stand und Ganondorf über die Welt regierte, hatte sie eingesehen, dass nur die enge Verbindung zwischen Link und der Prinzessin das Land noch retten konnten. Und ihre Vermutung war richtig gewesen: Ganondorf konnte- auch mit ihrer Hilfe- ins Höllenreich für alle Zeit verbannt werden.

Ein leichtes Lächeln erschien auf Rutos Gesicht. Zwar hatten damals harte Zeiten gegolten, aber dennoch war alles ein großes, einzigartiges Abenteuer gewesen, und Ruto war stolz, dabei gewesen zu sein. Doch das alles machte sie nun auch nachdenklich. Der Kampf gegen den Gerudo-König war schon schwer gewesen, was würde ihnen nun gegenüberstehen? Sie konnte spüren, dass sich eine dunkle Macht versuchte in Hyrule breit zu machen. Sie lächelte grimmig. "Wir haben Hyrule schon einmal gerettet, wir werden es wieder tun!"

*

"Die Weisen zuerst aus dem Weg zu räumen, wäre doch äußerst praktisch, oder?" wollte die junge Frau mit einem fiesen Grinsen wissen. "Es wäre praktisch", stimmte eine männliche Stimme zu. "Aber es wäre langweilig sie einfach umzunieten", warf eine andere böse, männliche Stimme ein. "Sie sollen leiden!" kreischte eine weibliche, schrille Stimme aufgeregt. Ein kurzes Schweigen traf ein. "Boss?" Wieder herrschte Stille. Dann meinte eine kräftige, dunkle Stimme: "Also gut, wir werden auch die Weisen mit in unser Spiel einbeziehen." "Und Link?" wollten die anderen aufgeregt wissen. "Auch er. Er wird uns unser Spiel nicht versauen. Garantiert nicht. Nicht, wenn wir etwas haben, was ihm sehr am Herzen liegt!" Und wieder brachen die fünf Unbekannten ins großes, böses, hinterhältiges Gelächter aus.

*

"Oh!" Die Menschen vor den Zelten sahen erstaunt auf, als die Kokiri und die Gerudo sich ihnen näherten. Ein Mann packte sofort einen dicken Knüppel und ging drohend auf die beiden Mädchen zu. "Was wollt ihr hier? Unseren Frieden stören? Nur fort mit euch!" Bedrohlich ließ er seinen Knüppel in der Luft kreisen. Er kam immer näher auf die Mädchen zu. Ein böses Grinsen umspielte seine Lippen. Blitzschnell zog Resuluta ihren Kampfstab, den sie mit einer Schnur auf ihren Rücken gebunden hatte, hervor und trat einen Schritt auf den Mann zu.

Diesen schien das zu überrumpeln und er stürzte sich mit einem lauten Aufschrei auf sie. Doch Resuluta ließ ihn nicht aus den Augen und parierte seinen Angriff mit Leichtigkeit. Das schien den Mann, der wohl nicht zum Kämpfer auserkoren war, noch mehr zu verwirren und er umklammerte seinen Knüppel ganz fest. Seine Knie schlotterten, als er wieder auf die junge Gerudo zuging. Abermals holte er aus und ließ den Knüppel in Resulutas Richtung peitschen. Geschickt wich sie dem Angriff aus und zog mit einer blitzschnellen Bewegung dem Mann die Beine unter dem Boden weg.

Mit einem dumpfen Plumps landete er auf der trockenen Erde. Resuluta trat grinsend vor, schleuderte mit dem Fuß den Knüppel aus seiner Reichweite und richtete ihren Kampfstab auf ihn. Bereit zuzuschlagen, sollte er sie wieder angreifen wollen. Lovina hatte das ganze Geschehen nur staunend verfolgt. Die Gerudo-Kriegerin hatte es tatsächlich mit einem Mann aufgenommen und gewonnen. Mit offenem Mund starrte sie zu ihrer Freundin hinüber. Diese war noch immer mit dem Angreifer beschäftigt. Die Menschen, die alle vor den Zelten gesessen hatten, hatten sich nach Resulutas Auftritt in ihre Zelte verkrochen.

"Oh bitte..." winselte der am Boden liegende Mann nun. "Verschone mich, Gerudo. Bist du von Ganondorf ausgesandt worden?" "Was?!" schrie Resuluta aufgebracht aus und stierte den Mann wütend an. Er zitterte wie Espenlaub. Doch das scherte Resuluta nicht. "Ich soll von Ganondorf gesandt worden sein? Fremder, hat man dir deinen Verstand genommen?" Der Mann zitterte immer heftiger und obwohl Lovina auf Distanz stand, konnte sie seine Zähne klappern hören. Plötzlich bekam sie Mitleid mit dem Mann. Sie trat näher.

"Resuluta, siehst du denn nicht, dass du den Mann total verängstigt hast? Er ist total am Boden und seine Nerven liegen flach!" "Pah!" meinte Resuluta wütend. "Er wollte uns doch angreifen, nehme ihn jetzt bloß nicht in Schutz, Lovi!" Bei dem wütenden Klang ihrer Stimme zuckte Lovina automatisch zusammen. "Tut ... tut mir Lei ... Leid ..."stotterte sie erschrocken. Der zitternde Mann starrte zu ihr nach oben.

"Eine Kokiri!" entfuhr es ihm ehrfürchtig und er sah Lovina aus großen, staunenden, braunen Augen an. "Aber wie ist das möglich?" "Wieso?" erkundigte sich Lovina und fing sich einen vorwurfsvollen Blick von Resuluta ein. "Der Wald ist doch ..."begann er, doch Resuluta drückte ihm ihren Kampfstab enger gegen den Hals. "Schweig!" zischte sie bedrohlich. "Rede dann, wenn du gefragt wirst, Hylianer." "Resuluta!" rief Lovina erbost aus. "Ich habe ihm sehr wohl eine Frage gestellt!"

Die Gerudo zuckte gelassen die Schultern. "Wen kümmert's?" "Nimm deinen Stab weg", sagte Lovina ruhig. "Wieso sollte ich?" "Weil ich es dir sage!" "Oh!" Resuluta lachte böse auf. "Und dann soll ich es tun, oder was? Wenn du etwas sagst? Kannste vergessen, Lovi!"

"Lass es bleiben, Kokiri", meinte der schmächtige Mann zitternd, "Gerudos sind herz- und verständnislos! Versuch es erst gar nicht." "Du!!!" schrie Resuluta mit vor Wut bebender Stimme und schlug mit einer schnellen Bewegung ihres Stabes den Mann auf den Boden zurück, der er hatte gerade versucht sich wieder aufzurichten. Der Mann stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus und fiel dann bewußtlos zu Boden.

"Luta!" schrie Lovina erschrocken aus und wollte ihren Augen nicht trauen. "Was tust du denn da?!" Langsam wandte Resuluta sich zu ihr um. Ein dämonisches Grinsen umspielte die Lippen der Gerudo-Kriegerin. "Ich lass mir eben nichts gefallen!" meinte sie trocken und lachte dann mit böser, ganz veränderter Stimme auf. Entsetzt starrte Lovina sie an. "Was ist denn los mit dir?" Sie blickte in die Augen ihrer Freundin- und erschrak! Ihre bernsteinfarbenen Augen hatten jeglichen Glanz verloren und schienen leer und ausdruckslos zu sein.

Die Kokiri schlug die Hände vor dem Mund zusammen und jauchzte entsetzt auf. "Oh nein!" Und plötzlich- Lovina war darauf gar nicht vorbereitet- vollführte die Gerudo eine blitzschnelle Bewegung mit ihrem Kampfstab, Lovina fiel zu Boden und verlor das Bewußtsein. Das Letzte, was sie sah, war dass sich Resuluta mit einem teuflischen Lächeln über sie beugte.


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